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Eine diese Erfahrungen habe ich mit „Bluey’s Horseshoe Ranch“ auf Magnetic Island gemacht. Auf dem farbenfrohen Flyer, wo ein Reiter ohne Sattel den Strand entlang galoppiert (was nebenbei bemerkt nicht der Realität entspricht) und wo mit „Bush and Beach Rides“ geworben wird, entdecke ich die Anmerkung „Love Horses? Work available all year round!“. Tolle Idee, denke ich mir. Endlich mal wieder reiten – und dabei noch auf einer echten Ranch mitarbeiten. Die Sache hört sich nach harter Arbeit, aber viel Spaß an. Also schreibe ich eine E-Mail an die Besitzerin und erhalte eine Standardmail mit den nötigen Informationen, wo grob der Tagesablauf erklärt wird und „plenty of free horseback riding“ versprochen wird. Es ist die Rede von einem „comfortable cottage with 2 bedrooms“ und „free food“. Hört sich doch gut an. Der Mindestaufenthalt beträgt 2 Wochen, da es sich für einen kürzeren Zeitraum anscheinend nicht lohnt, jemanden einzuarbeiten. Ich mache Nägel mit Köpfen und einige Tage später soll ich anfangen.
Morgens um 7.30 Uhr stehe ich mit Sack und Pack vor der Ranch – die zwei anderen Backpacker, die zur Zeit dort ebenfalls arbeiten, sind schon dabei, die Pferdeäpfel im Paddock einzusammeln. Von der Besitzerin fehlt jede Spur. Seltsam, denke ich mir.
Eine der Mädels zeigt mir meine Unterkunft und einige Minuten später wandere ich mit Mistgabel und Schubkarren bewaffnet umher. Alles, was ich wissen muss, wird mir von den zwei anderen Mädels erklärt. Ich wundere mich, warum die Besitzerin nicht hier ist und frage mich, ob das meine „Einarbeitung“ ist. Abwarten, sage ich mir.
Ein typischer Tagesablauf Kurz vor 6 Uhr stehen wir auf, holen die Pferde von der Koppel in den Paddock, wo wir sie dann füttern und Wasser auffüllen. Danach haben wir dann eine Weile Zeit für unser Frühstück und um uns fertigzumachen, bevor es dann um 7.15 Uhr weitergeht. Um 7.30 Uhr ruft die Besitzerin an und nennt uns die Pferde, die morgens mit auf den Ausritt sollen. Dann gilt es, diese Pferde vorzubereiten, das heißt, zu putzen und zu satteln. Meist bleibt dafür nicht viel Zeit, vor allem wenn viele Gäste mitreisten, so dass das Ganze ziemlich stressig wird. Gegen 8.45 Uhr trudelt dann endlich die Besitzerin ein, aber auch nur, um das Geld der Gäste einzusammeln und zu bestimmen, wer auf welchem Pferd reitet. Um 9 Uhr beginnt der 2-stündige Ausritt, den meist 2-3 Trail-Guides begleiten. Bleibt eine Person auf der Ranch, so hat man den Hof zu kehren, Sättel zu putzen oder was eben sonst anfällt. Am Strand angekommen, müssen die Guides so schnell wie möglich alle Pferde wieder absatteln und den Gästen wieder aufs Pferd helfen, bevor es dann ein paar Minuten mit den Pferden ins Wasser geht (es wird allerdings nicht mit den Pferden geschwommen, wie auf dem Flyer geworben – die Pferde waten lediglich bis zur Schulter im Wasser). Danach müssen die Pferde rasch wieder aufgesattelt werden (was bei 12-15 Gästen Akkordarbeit ist) und man reitet zur Ranch zurück. Dort angekommen, werden die Pferde wiederum abgesattelt und kurz abgeduscht.
Danach haben wir endlich Mittagspause, wo man versucht, schnellstmöglich ein Sandwich hinunterzuschlingen, damit man sich noch ein paar Minuten aufs Bett legen kann. Es ist etwas Zeit, durchzuatmen, bevor am frühen Nachmittag wieder das ganze Spiel von vorne beginnt. Um ca. 17.30-18 Uhr ist der Tag dann endlich zu Ende und man ist gerade noch fähig, zu duschen und etwas zu essen, bevor man am frühen Abend erschöpft ins Bett fällt.
Ausbeutung oder Abenteuer? Ich habe es auf der Ranch nur 3 Tage ausgehalten und habe dann beschlossen, meine Sachen zu packen. Das hatte mehrere Gründe:
Die Unterkunft war alles andere als gemütlich. Es gab lediglich ein kleines Schlafzimmer mit 2 Betten, die restlichen Schlafmöglichkeiten befanden sich im Wohnzimmer. Die Küche war viel zu klein, so dass man sich ständig auf den Füssen stand. Das „Waschbecken“ im Badezimmer hatte ein solches Miniformat, dass man sich meist in der Küche wusch. Zudem war der Ekelfaktor ziemlich hoch, überall Ameisen und Kakerlaken. Ich habe die letzten 3 Monate in Hostels übernachtet und bin bestimmt nicht verwöhnt, aber ein bestimmtes Maß an Hygiene erachte ich einfach für notwendig. Fast jedes Hostel ist sauberer und besser ausgestattet als diese Unterkunft!
Was ich besonders ekelhaft fand war die Tatsache, dass wir Essensreste nicht wegwerfen durften, sondern in einem Topf im Kühlschrank aufbewahren sollten, dessen Inhalt dann an die Hühner verfüttert wurde. Nun gut, ich bin deutsch und finde Recycling an sich eine gute Sache und Essen wegzuwerfen halte ich für eine Sünde – dennoch: Besonders die Tatsache, dass besagter Topf keinen Deckel besaß, drehte mir jedes Mal fast den Magen um, wenn ich den Kühlschrank öffnete und mir dieses Etwas von Essensbrei entgegenschaute. Geniale Idee, den Kompost im Kühlschrank aufzubewahren – neben all den frischen Sachen. Hühnerfraß neben unserem Essen.
Ach ja, zum Thema Verpflegung – die bestand darin, dass die Besitzerin immer mal wieder den Kühlschrank und den Vorratsschrank auffüllte. Nun ja, Weißbrot en masse und von Allem nur das Billigste vom Billigsten: Marmelade, Erdnussbutter, Konserven, Tiefkühlkost – wenig Obst und Gemüse und von Milch und Käse ganz zu schweigen. Das Höchste der Gefühle war, dass man uns Milchpulver zur Verfügung stellte. Ich frage mich, woher wir eigentlich die Energie für die schwere körperliche Arbeit aufbringen sollen, wenn man uns nichts Anständiges zum Essen gibt. Ich erinnere mich an einen Abend, wo ich mich hungrig auf eine Pizza stürzte, nur um meinen Magen zu füllen – geschmeckt hat sie allerdings nach nichts. Außerdem plagten mich nach 2 Tagen unangenehme Verdauungsprobleme...
Erste Zweifel kommen auf. Bin ich zu pingelig oder ist die Behandlung hier wirklich unterstes Niveau?
Wer nun glaubt, dass zumindest die Pferde anständiges Futter bekommen, der irrt. Morgens war es noch einigermaßen erträglich, auch wenn das Futter mit „Heu“ vermischt wurde, das ich als Abfall bezeichnen würde. Viel mehr geschockt war ich, dass die Pferde nachmittags säckeweise weiches Brot bekamen, wo sich auch mal Donuts und sonstige Leckereien mit Zuckerguss darunter gesellten. Von Schimmel ganz zu schweigen. Wen wundert es da, dass alle paar Tage ein anderes Pferd an einer Kolik erkrankt?
Das einzig Positive, das ich entdecken konnte, war, dass die Pferde auf der Koppel gehalten werden und dort zumindest des Öfteren frisches Heu bekommen. Ansonsten schienen mir manche Pferde dort in einem desolaten Zustand, teilweise hatten sie schlimme, eingerissene Hufe. Wen wundert es bei dieser Diät?
Nach nur 2 Tagen verfestigte sich mein Eindruck, dass es den Besitzern nur ums Geld geht. Wenn man bedenkt, dass ein Ausritt 80 Dollar kostet und die Ranch oft 10-20 Gäste pro Tag (oft sogar mehr) hat, frage ich mich, wohin das Geld fließt: Man hat keine Mitarbeiter, die man bezahlen muss, sondern beschäftigt junge Backpackerinnen, die Pferde lieben und diesen Job mit Handkuss machen. Das Essen ist billig und die Pferde profitieren ebenso wenig. Die Waschmaschine ist defekt, so dass man ins nächste Hostel muss, um zu waschen und das einzige Arbeitspoloshirt (das auch noch weiß ist), wird von der Besitzerin nur einmal in der Woche zum Waschen mitgenommen. Lecker, spätestens nach einem Tag ist es durchgeschwitzt und dreckig.
Es ist erschreckend, dass diese Leute die Tatsache, dass es viele Pferdenarren unter den Backpackern gibt, gnadenlos ausnützen. Solange es genug Leute gibt, die diesen Job wollen, wird sich daran aber auch nicht ändern.
Mit meinen 29 Jahren zähle ich in Australien wohl schon zu den „Omas“ der Backpacker und kann nur den Kopf schütteln, dass sich junge Mädels derart ausnützen lassen und sich nicht wehren, sondern – wenn überhaupt - nur hinter vorgehaltener Hand Kritik üben und nicht die Konsequenzen ziehen. Arbeit muss nicht immer Zuckerschlecken sein – aber dass man seine Angestellten fair und mit Respekt behandelt, gehört für mich zum A und O. Deswegen habe ich – ohne schlechtes Gewissen - meinen Rucksack gepackt und die Sache beendet.
Meine Absicht zu gehen führte übrigens dazu, dass mich die Besitzerin sofort von der Ranch schmiss(worüber ich nicht wirklich traurig war) und meinte, ich hätte sie nur ausgenutzt und wäre nur wegen dem Reiten gekommen. Sie ging sogar so weit, mich persönlich zu beleidigen und mich als „waste of time“ zu beschimpfen. Die Verbohrtheit und Blindheit, so die Realität zu verzerren, lässt mich heute noch den Kopf schütteln. Ich frage mich bis heute, warum sie einen solchen Verlust durch mich erlitten hat – schließlich habe ich bis zum Umfallen mitgeholfen.
Die Arbeit dort war letztendlich nicht mit meinem Gewissen zu vereinen. Ich mag Pferde und liebe es, zu reiten – aber nicht um jeden Preis. Ich empfinde ein ungutes Gefühl, wenn sowohl Mitarbeiter als auch Tiere nicht anständig behandelt werden. Ohne die Backpacker würde die Ranch nicht funktionieren – sie sind es, die „den Laden schmeißen“ und den ganzen Tag für die Pferde da sind. Die Besitzer wohnen nicht auf der Ranch und tauchen nur auf, um das Geld der Gäste zu kassieren. Eine „beeindruckende“ Vorbildfunktion – ein Arbeitgeber, der sich fast nie blicken lässt, erscheint mir immer verdächtig. Ich habe meine Konsequenzen daraus gezogen und beschlossen, die ganze Sache in dieser Form nicht weiter zu unterstützen.
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