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Mit dem Glück ist das so eine Sache. Mal hat man es und mal hat man es nicht.
Als ich an einem kühlen Melbourner Morgen im April sehr verschlafen mit all meinem Sack und Pack auf dem Bürgersteig herumstand und Will aus dem OZ-Experience-Bus sprang, der mich in drei Tagen über die Great Ocean Road und durch den Grampians National Park nach Adelaide bringen sollte, wusste ich sofort: Heute war einer jener Tage, an denen man dem Glück über den Weg läuft.
Um Will zu beschreiben, lege man am besten Xavier Rudd, Powderfinger oder Jack Johnson in den CD-Player, füge eine große Packung Zigaretten dazu, setze dem ganzen einen Hut auf und fertig: Unser Guide von Adventure Tours.
Für Internationalität war leider nicht viel Platz im Gepäck, halb Deutschland war an Bord und nur ein paar Engländer, Dänen und Schweden sowie eine kleine Abordnung der USA konnten sich zusätzlich in den 24-Mann-Bus drängeln; dafür hatten wir die gesamte Altersbandbreite dabei, von 16 bis 65 Jahren, von alleinreisenden Frauen über Backpacker-Best-Friends und Mütter mit Kindern bis hin zu Rentnern, die die Welt erkunden: Alles war vertreten auf “Will’s ‘too easy’ tour”. Will ist nämlich der Meinung, alles müsse entspannt und einfach “too easy” ablaufen – eine Einstellung, mit der er bei der Gruppe auf große Zustimmung stieß.
Alle dümpelten zurück in die Gefilde des Schlafes, während Will uns nach Torquay fuhr, dem 95 km südwestlich von Melbourne gelegenen Geburtsort der Surfkultur. Hier legten wir eine kleine Frühstückspause ein und konnten all die großen Surfmarken wie Ripcurl und Billabong an ihrem Entstehungsort begutachten. Den bekannten Bells Beach bekamen wir leider nicht zu Gesicht, da an diesem Osterwochenende wie jedes Jahr der große “Ripcurl Pro” Surfwettbewerb stattfand. Schade, aber was soll’s – es gab noch so viel anderes zu sehen!
Los ging’s auf die Great Ocean Road. Diese zähle zu den berühmtesten Panoramastrassen der Welt, erzählte uns Will, und sei die am zweithäufigsten besuchte Touristenattraktion Australiens. Über die sich an Klippen und wunderschönen Surfstränden entlang schlängelnde Strasse wuselte unser Bus seinen Weg entlang, von Fotostopp zu Fotostopp. Anhalten, aussteigen, Foto machen, einsteigen, weiterfahren. Und das alle paar Kilometer - Ich kam mir vor wie ein Tourist der schlimmsten Sorte und trotz der schönen Ausblicke konnte man auch den Gesichtern der übrigen Gruppenmitglieder nicht allzu viel Begeisterung entnehmen.
Nach gefühlten einigen hundert dieser Fotostopps fütterten wir ein paar Crimson Rosellas in einem Örtchen namens Kennet River, entdeckten ein paar Koalas in den Eukalyptusbäumen (was den Australien-Neulingen einige “Aaahs” und “Ooohs” entlockte) und fuhren dann weiter nach Apollo Bay zum Lunch. Dass dieses nicht inklusive war, trug leider nicht gerade zum Gruppenzusammenhalt bei und Will gab zerknirscht zu, dass sein “too easy”-Konzept bisher noch nicht ganz ausgekocht sei.
Nachdem wir in der Nähe von Cape Otway das saftige Grün und den Duft der in sich verschlungenen Regenwaldvegetation bei einem spektakulären Rainforest Walk genossen hatten, auf dem auch tatsächlich ein paar Gruppenmitglieder anfingen, miteinander zu kommunizieren, ging alles bergauf. Wir durften den Bus bemalen! Mit Glasmalstiften wurden die Fenster von uns mit unseren Namen geschmückt und dann durfte jeder noch ein bisschen über sich erzählen – es geht doch! Man begann, sich kennen zu lernen. Will drückte noch einmal ordentlich aufs Gas, damit wir den Sonnenuntergang an den Zwölf Aposteln nicht verpassten – Unbeschreiblich tauchten die sinkende Sonne die Felsküste und die davor aus dem Meer stakenden “Apostel” in fast magisches Licht.
Unsere Unterkunft im nahe gelegenen Princetown setzte noch ein Sahnehäubchen auf den sich am Ende doch noch zum Guten gewendeten ersten Tag: In einem sauberen, niedlichen Häuschen mit Vierer- Zimmern wartete ein enormes BBQ mit diversen Burgern (auch vegetarischen), Kartoffelbrei und Gemüse auf unsere hungrigen Mägen und danach fiel auch schon ein jeder sehr geplättet in sein Bett.
Tag zwei begann schon vor der Dämmerung mit einem leckeren Frühstück und jeder Menge Kaffee – es war nämlich wirklich ganz schön früh. Zurück ging’s zu den Zwölf Aposteln und wer wollte, konnte an einem Helikopterflug teilnehmen, welcher Versuchung ich natürlich nicht widerstehen konnte. Während ich und einige Mitstreiter also den atemberaubenden Blick über diese faszinierenden Sandsteinformationen aus der Luft genossen, kümmerte Will sich darum, dass es auch den anderen nicht langweilig wurde und fuhr mit ihnen zu einem weiteren Aussichtspunkt.
Danach cruisten wir weiter durchs “Milchkuhland”, wie Will es nannte - eine der bekanntesten Regionen Australiens für Milchprodukte. Das Ende der Great Ocean Road war nun nahe und Will malte Bilder von der Geschichte dieser Region in unsere Köpfe, erzählte uns von den Aborigines, die einst hier lebten, wie sie verfolgt, vertrieben und getötet wurden, mit ihnen all die Sprachen und Gesetze ihrer Stämme verschwanden und wie später eine Bucht nach diesen Menschen, die für ihr Land gestorben sind, benannt wurde: Bay of Martyrs, von wo aus man nachdenklich den wunderschönen Blick entlang der zerklüfteten Südküste wirken lassen kann. Auch Loch Ard Gorge und London Bridge, zwei bogen- oder brückenähnliche Steingebilde, haben jedes ihre eigene Geschichte und Will wollte uns keine von ihnen vorenthalten. Gut gelaunt erzählte er uns diesen und jenen Schwank aus seiner Zeit als Tourguide, bevor wir Abschied nahmen von unserer Kurvenstrasse und nach einer Mittagspause den Bus Richtung Inland lenkten: Auf zum Grampians National Park!
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Will fuhr sehr rücksichtsvoll und ließ uns alle ein wenig Schlaf nachholen, damit wir genug Energie für unsere Bergbesteigung am Nachmittag hätten: Diese führte uns durch Schluchten und entlang wunderschöner Felsstrukturen. Als wir schließlich auf dem Gipfel angekommen waren, blieb uns fast die Luft weg: Eukalyptuswälder, Seen, Grasland bis zum Horizont und wir standen über all dem in schwindelnder Höhe und spürten die Macht dieses uralten Landes, das vor uns lag ... (siehe Foto ganz oben)
Noch völlig benebelt von diesem Erlebnis fuhren wir zu unserer Unterkunft nach Halls Gap: einige geräumige Camping-Cabins, über deren Türen man definitiv vier Sterne hängen könnte, erwarteten uns. Gleich machten wir uns gemeinsam ans große Gemüseschnippeln und schon bald standen Schüsseln mit Salat und riesige Töpfe voll Spaghetti Bolognese auf dem Tisch.
Den Abend ließen wir ausklingen mit ein paar Bier, Kartenspielen, Gesprächen über Reisen und das Leben an sich sowie Sterne-Gucken auf der Veranda.
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