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Dienstag Morgen, 06:30 Uhr und ich bin startklar für mein kleines Abenteuer: eine 3-Tages-Tour mit 'Adventure Tours Australia' in den Kakadu- und Litchfield National Park. Angepriesen wird eine Safari im Geländewagen und seit Tagen spielen sich in meinem Kopf schon Bilder von endlosem roten Wüstensand, üppigem Buschland und wilden Tieren ab, die sich während traumhafter Sonnenuntergänge im verlassenen Nichts die Klinke in die Hand geben. Mittendrin unsere Reisegruppe, die sich nach einem Tag mit den 3 großen W's (Wasserfälle, Wanderungen und Wildlife) in ihren Schlafsäcken einmummelt und den Dingos unter australischem Sternenhimmel bei ihrem allabendlichen Konzert lauscht.
Wir starten pünktlich und beginnen unsere Tour mit der obligatorischen Vorstellungsrunde: zunächst Luke, unser Tourguide der uns in den kommenden 3 Tagen unterhalten darf. Weiter geht es mit Elenore, unserem weiblichen Tourguide ‚in spe‘.
Unsere überschaubare 7köpfige Reisegruppe ist eine nette Mischung, bei der die Europäer definitiv die Nase vorne haben: von den Niederlanden, Belgien, Deutschland über Großbritannien ist alles dabei. Und sage und schreibe eine richtige Australierin von der Ostküste.
Unser Geländewagen ist ursprünglich für 16 Passagiere vorgesehen und so kommen wir fast alle in den Genuss einer eigenen Sitzreihe! Gleich zu Beginn unserer Safari weist Luke auf den Wasserkanister und den Karton mit frischem Obst hin: “Greift zu und trinkt vor allem viel Wasser, Abenteuer machen durstig!” Und so machen wir uns auf den Weg in Richtung Abenteuer.
Erstes Ziel für den heutigen Tag ist Litchfield National Park. Nach einer 1 1/2 stündigen Fahrt, in der Luke geduldig all unsere Musikwünsche erfüllt, machen wir eine kurze Kaffeepause, um uns für die ersten Highlights zu wappnen: Termitenhügel, Wanderungen und dann Wasserfälle in Florence Falls und Buleys Rockhole.
Der Erholungsfaktor wird ganz groß geschrieben und so haben wir an jedem Halt ausgiebig Zeit, um uns entweder den Wundern der Natur oder einem entspannten Sonnenbad zu widmen. Beides fällt bei der regenwaldähnlichen Umgebung nicht schwer. Und unser Tourguide scheint ein echter 'Wildlife-Magnet' zu sein: bis zur Mittagszeit begegnen wir Wildpferden und -schweinen, sog. 'whitestripped dragons' und Wallabies.
Mit knurrenden Mägen steuern wir nun unserer Mittagspause entgegen und unter dem Motto ‚viele Hände bereiten ein schnelles Ende‘ hat jeder in Nullkommanichts einen prall gefüllten Hotdog in der Hand.
Satt und zufrieden setzen wir unsere Reise fort. Der Weg führt uns nach Mary River, ganz konkret: auf ein motorisiertes Boot, um auf dem ca. 9 km langen Billabong nach selten vorkommenden Vögeln und Krokodilen Ausschau zu halten. Und tatsächlich: kaum haben wir das eine monströse Salzwasser-Krokodil bestaunt, höre ich schon die nächsten erstaunten Ausrufe: “Dort, ein Krokodil!” “Andere Seite, ein Jabiru!” “Und dort, ein Adler!” Laut Chris, dem 'Käpt’n' können wir uns heute sehr glücklich schätzen, selten hat er so viele seltene Vogelarten auf einmal und vor allem so nah am Ufer gesehen. Nach 9 km wunderschöner Wasserlandschaft drehen wir um und das nächste Highlight springt uns ins Auge: ein Sonnenuntergang wie im Bilderbuch! Tiefrote Sonne trifft leichte Wolkendecke über glühender Wasserlandschaft. Ergriffen von den vielen Eindrücken macht sich unsere kleine Reisegruppe auf den Weg ins heutige Nachtlager in Point Stuart.
Unser Zeltplatz grenzt an einen Caravanpark. Der so genannte Zeltplatz erinnert aber eher an einen Weihnachtsmarkt in Deutschland: ein kleines Holzbüdchen an das Nächste gereiht, im Camperjargon spricht man hierbei von sog. 'permanenten Zelten'. Ein kleines grünes Büdchen, das für genau 2 Holzboxen mit Matratzenauflage Platz lässt. Alles picobello sauber und mehr, als man bei einer Safari erwarten würde. Schnell verstauen wir unsere Rucksäcke und entladen den Tourbus, um die letzte Helligkeit der Dämmerung zu nutzen.
Die Küche, welche auch gleichzeitig als Aufenthaltsraum dient, schockiert! Einrichtungstechnisch sieht alles wunder- bar aus, der Schock schwirrt in der Luft: Tausende kleine schwarze Kriechtiere haben hier das Sagen und machen sich wirklich überall breit ... auch auf uns! Luke entschuldigt sich tausend Mal bei uns allen für diese Unannehmlichkeit, angeblich ist ihm so was noch nie vorgekommen. Die vielen Kriechtiere die sich wie eine schwarze Decke ausbreiten machen die Essenvorbereitung nicht gerade einfach, geschweige denn appetitanregend. Was wirklich schade ist, da wir exzellente Delikatessen serviert bekommen: Känguruhsteaks & Büffelwürstchen, Kartoffel- & Nudelsalat sowie der australische Coleslow dürfen bei einem original australischen BBQ natürlich nicht fehlen! Leider springen die Tierchen auf jeden Teller und nur wer sein Essen im Auge behält und verfolgt wo sie landen kann sicher sein, keine zusätzliche Fleischbeilage zu verspeisen.
Nach dem Essen finden sich die ein oder anderen noch zu einem Glas Wein (oder auch 'goon') zusammen. Leider gibt es auf dem Campingplatz keine Möglichkeit ein Lagerfeuer zu machen und Swags sind auch keine mit an Bord. Schade, im Freien unter Australiens Sternenhimmel zu schlafen und das Lagerfeuer knistern zu hören gehören für mich zu einer Safari so wie die Harbourbridge zu Sydney. Dafür gibt es grandiose Neuigkeiten, sozusagen als abendliches Betthupferl: Die Jim Jim Falls wurden vom Kakadu NP freigegeben, d. h. alle Wartungsarbeiten wurden erledigt und Salzwasserkrokodile entfernt! Hooray! Das sorgt für süße Träume, auch wenn das Dingogeheule fast keine anderen Gedanken zulässt, außer „hoffentlich haben die heute schon genug zum Abendessen gehabt…“
Der nächste Morgen startet schnell: 06:00 aufstehen, Frühstück, Schlafsack zusammenrollen, gemeinschaftliches Aufräumen und um sieben geht’s los.
Vom Stuart Highway auf den Kakadu Highway, vorbei an Wildpferden, Billabongs bedeckt mit blühenden Wasserlilien, weiter mit dem Geländewagen durch geflutete Straßenabschnitte. Luke und sein Mikrofon sind fast schon auf Standleitung geschaltet, so oft springt er ein und liefert uns eine Erklärung nach der anderen zu Flora, Fauna und Geschichte des Nationalparks und der Aborigines. Fotofanatiker kommen hier auf jeden Fall auf Ihre Kosten. Sobald wir ein wildes Tier erspäht haben, hält Luke an und lässt uns Zeit für unsere Schnappschüsse.
Der erste Tagesstop ist das ‚Warradjan Aboriginal Cultural Center‘, ein sehr aufwendig und professionell gestaltetes Visitor Center. Dieses bereitet uns auf den nächsten großen Stop vor: Die gerade erst eröffneten Jim Jim Falls! Noch ist der Weg noch nicht gemacht, 60 km ‘dirt road’ stehen uns noch bevor. Und hierbei handelt es sich um eine dirt road der Spitzenklasse, eine steinige Huggelpiste auf der sich wirklich nur ein Geländewagen durchschlagen kann.
Endlich am Parkplatz der Jim Jim Falls angekommen begrüßt uns ein Bataillon an Touristenbussen. Die Nachricht über die Öffnung des Walking Tracks muss sich herumgesprochen haben wie ein Lauffeuer. Also ab ins Getümmel bzw. ab auf den 900 Meter langen Weg durch Wald, über Felsen, durch Matschlöcher, vorbei an atemberaubenden Felsumgebungen und einer im Sonnenlicht reflektierenden Wasserstraße, die zu den berühmt berüchtigten Wasserfällen führt. Von Weitem hören wir Wassermassen rauschen und können es kaum abwarten, die letzten Felsen zu erklimmen. Und hier ist er, der Wasserfall, der nur in der Trockenzeit passierbar ist. In der Regenzeit ist der gesamte Weg, den wir zurückgelegt haben schier geflutet. Und plötzlich fühle ich mich wie eine winzig kleine Ameise vor dieser prominenten Felsformation.
Auf dem Weg zum Wasserfall sind uns jede Menge Gleichgesinnte entgegengekommen: Mit Bikini und Handtuch gewappnet hat man uns bestätigt, dass man tatsächlich schwimmen kann - wenn man denn Liebhaber von Eisbädern ist, die gefühlte Temperatur liegt nämlich bei 3 Grad! Die Hartgesottenen wagen sich also in den Pool, in dem sich vor ein paar Wochen noch Freshies und Salties Gute Nacht gesagt haben. Kälteschock, hektisches paddeln, flacher Atem, hysterisches Quieken und dann schwimmen wir Richtung Wasserfall, belohnt mit einer herrlichen Rückenmassage - ein absolut einmaliges Erlebnis! Und Luke hat mal wieder an alles gedacht und so werden die mutigen Schwimmer nach ihrer Rückkehr mit Crackern und Keksen versorgt. Das viele Wandern und Schwimmen macht wirklich hungrig, findet auch Luke und stoppt an der nächsten Picknickgelegenheit. In Windeseile wird ein kleines Buffet gezaubert an dem sich jeder nach Belieben sein Sandwich zusammenstellen kann. Hierbei bleiben tatsächlich keine Wünsche offen und nach ein paar Handgriffen in Teamarbeit ist wieder alles im Tourbus verstaut und wir sitzen mal wieder satt und zufrieden auf unseren Plätzen, gespannt wie es jetzt weiter geht.
Das nächste Ziel auf unserer Tagesroute heißt Ubirr (Ooo-beerr), wo uns ein weiterer atemberaubender Sonnenuntergang erwarten sollte. Heutiges Tagesmotto lautet scheinbar “versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen”, denn dieser Sonnenuntergang schafft es unter meine persönliche Top 3 der australischen Sonnenuntergangshitliste! Die Sonne versinkt malerisch hinter einem Meer an Bäumen, Sumpf- und Felslandschaft. Manchmal sagen Bilder einfach mehr als Worte, also setze ich mich auf einen Felsvorsprung der höchsten Ubirr- Anhöhe und genieße das Spektakel. Leider nicht zu lange, denn wie Luke uns aufklärt, dauert es keine 10 Minuten bis die ersten Mozzieschwärme ihren Weg in die Dämmerung gefunden haben und den Ubirr für sich vereinnahmen. Somit machen wir uns doch lieber wieder auf den Weg zum Bus und in Richtung Nachtlager.
Diese Nacht heißt das Ziel 'Jabiru', ein kleines Örtchen in Kakadu, in dem hauptsächlich Minenarbeiter leben. Unser Camp befindet sich wieder auf einem Caravanpark, gleiche Ausstattung wie am ersten Abend, alles sauber & campinggerecht. Auf dem Speiseplan steht heute ‘Stir-fried Chicken’. Unter Anleitung von Luke wird fleißig Gemüse geschnitten und der Kochlöffel geschwungen. Läuft alles wie am Schnürchen, wunderbar organisiert und so stoßen wir zur Feier des Tages mit ein paar Tassen ‘goon’ an und lassen den Abend feucht fröhlich ausklingen.
“G'day g'day, how's it goin...” - Gepfeife und Gesinge vor unserem Holzbüdchen - der australische Weckruf! Kurzer - wenn auch skeptischer - Blick auf die Uhr: 5:30 Uhr! Nun gut, gerechtfertigt wird die Uhrzeit durch einen straffen Tagesplan. Ich höre Gegrummel aus den Nachbarzelten, die verstummen aber schnell. Entweder weil sich meine Nachbarn schon übers vorbereitete Frühstück hermachen oder eine ausgiebige heiße Dusche genießen, die auch in unserer Safari inklusive ist. Während des Frühstücks geht Luke noch mal den heutigen Tag durch: Zwei Wasserfallstops mit ausgiebigen Sonnenbädern, zwischendurch Picknick und zurück nach Darwin. Gesagt - getan.
Auf der Fahrt fallen die meisten wieder in einen komaähnlichen Tiefschlaf. Dieser Erholungsschlaf ist anscheinend eingeplant, denn der Wanderpfad auf zu Gunloms Wasserfall bringt unsere Reisegruppe etwas außer Puste und ins Schwitzen. Nichts ist jetzt erfrischender, als ein Sprung ins kühle Nass! Zudem werden unsere Anstrengungen noch mit einem traumhaften Ausblick über meterlange & -hohe Felsformationen, Outback- und Wasserlandschaft belohnt. Und dort, hinter dem letzten Hügel, die Perfektion unserer Klettertour: Der Wasserfall! Und hätten Asterix & Obelix nicht schon das Gegenteil erwiesen, könnte man annehmen, dass die Erde eine Scheibe sei & das Wasser ins Nichts fließt.
Nach einer vergnügten Stunde Wasserspaß bei schönstem Sonnenschein folgt der Gruppenabstieg zu einem weiteren Pool. Laut Luke tummeln sich auch hier schon mal gerne ein paar Freshies herum, aber irgendwie scheint das niemanden mehr abzuschrecken.
Die Abkühlung tut gut, soll aber noch nicht alles sein: “Wann hattet ihr denn eure letzte Anwendung im Spa?” fragt Luke. Fragezeichen in unseren Gesichtern entlocken Luke eine Erklärung: Hier in Gunlom gibt es erstklassige Schlammlöcher, die sich aufgrund der hohen Konzentration an Mineralien hervorragend zur Ganzkörpermaske eignen.
Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen, schmieren uns die Paste auf den Körper und schon sehen wir aus wie das Biest in ‘Die Schöne und das Biest’. Danach freuen wir uns über zarte Babyhaut und befinden die Wellness-Session (abgesehen von einigen sich als nichtmetro- sexuell outen wollenden Jungs) einstimmig als willkommene Abwechslung zum üblichen Nationalpark-Programm.
Nach einem kurzen Sonnenbad machen wir uns auf den Weg zu unserem letzten Etappenziel, einem Wasserfall, der auf keiner Parkkarte zu finden ist. Klarer Vorteil bei Gruppenreisen: Orte von denen man nie erfahren würde, werden exklusiv zugänglich gemacht. Ein kurzer Weg zum Pool und schon wieder stehen wir im Paradies, mit dem Unterschied, dass wir es nicht mit unzähligen anderen Tourbussen teilen müssen. Freudestrahlend stürzen wir uns ins Wasser, während die Tourguides unser Picknick vorbereiten. Vom persönlichen Klappstuhl bis zum Dessert ist wie immer alles perfekt organisiert ... das Leben kann so schön sein!
Ein perfekter Abschluss denke ich mir, denn das ist unser letztes Abenteuer, bevor wir uns in unserem Tourbus zurück nach Darwin aufmachen. So schnell lässt uns Luke jedoch noch nicht gehen und verteilt fleißig Voucher für ein Gratis-Essen im Vic, der ‘No.1 Backpacker-Location’ in Darwin. Nachdem jeder einzelne in sein Hostel gefahren wird, trifft sich die gesamte Reisegruppe also abends wieder, um eine gelungene und witzige Tour ausgiebig zu feiern … um danach wieder in unsere absolut ‘unsafarischen’ Hostel-Hochbetten zu fallen. Cheers, mates!
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