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Es war eine nervenaufreibende, den eigenen Toleranzlevel weit übersteigende Herausforderung, in einem Schlafsaal mit 11 anderen Personen zu schlafen. Nicht, dass unbedingt exzessiv geschnarcht wurde, nicht, dass es unangenehm nach Käsefüßen roch - nein, dies waren nur kleine, unangenehme Nebenerscheinungen. Das Problem war die mangelnde Rücksichtnahme, das Fehlen elementarer Verhaltensregeln im Umgang mit Anderen. Ist diese unzureichende Erziehung der heute unter 30jährigen das Ergebnis der antiautoritären Erziehung der 60iger Jahre? Haben wir heute eine Generation, die nur an sich und so gut wie nicht an die Bedürfnisse anderer denkt? Haben die unbegrenzten Entfaltungsspielräume, die die 68iger ihren Kindern eingeräumt haben, eine rücksichtslose Generation hervorgebracht? Es erschreckt mich zu sehen, wie wenig die heutige junge Generation bereit ist, ihre eigenen Bedürfnisse denen anderer unterzuordnen, wenn es nicht zu ihrem Vorteil ist.
Nachdem in meinem Schlafsaal bis ca. 3 Uhr morgens ständig die Tür aufgestoßen und wieder zugeschlagen wurde, das Licht an- und wenn überhaupt, erst nach Minuten wieder ausgemacht wurde, nachdem ununterbrochen laut geredet, gelacht und Krach gemacht wurde, fand ich im Morgengrauen in den letzten 3 Stunden bis Sonnenaufgang noch ein wenig Schlaf. Ironie des Schicksals: Laut gestikulierend waren meine “Mitbewohner” ins Zimmer gekommen, hatten das Licht angedreht, um in ihren Rucksäcken und Taschen Zahnbürste und Zahnpastatube zu suchen um dann, ebenso laut wie sie gekommen waren, das Zimmer wieder zu verlassen ohne das Licht auszumachen. Den wichtigen Aspekt der Zahnhygiene, auch morgens um 3 Uhr, hatte man ihnen beigebracht - Rücksichtnahme jedoch nicht.
Bei diesen und anderen Gelegenheiten frage ich mich immer wieder, ob es sich hier um einen Generationskonflikt handelt, oder ob der Altersunterschied die größere Rolle spielt. Beginne ich mich zu verhalten wie “die”, die wir nicht ausstehen konnten, als wir noch Teenager waren. Die, die uns erklärten, wie man sich gefälligst zu benehmen hatte, die, die die alten Zeiten heraufbeschwören, in denen dieses oder jedes “noch nicht möglich war”? Natürlich hielten auch wir uns für die Größten, die, die alles wussten und die ältere Generation ablehnten, weil sie uns ihre Werte aufdrücken wollte. Aber unsere Rebellion spielte sich auf einer intellektuelleren Ebene ab. Wir, die “Zwischengeneration” zwischen den 68igern und der “NO-Futur Generation” der 90iger nahmen das auf, was die 68igern für uns erreicht hatten und brachten es in eine ruhigere Bann. Der entscheidende Faktor war für uns die Gruppendynamik. Nicht die sog. “Erwachsenen” erzogen uns, sondern die Gruppe, in der wir uns bewegten. Sind wir deshalb “angepasste Mitläufer”? Nein, unsere Welt besteht aus Millionen Individualisten, die miteinander auskommen müssen. Ich bin stolz darauf, rechtzeitig gelernt zu haben für die Gesellschaft keine unangenehme “Belastung” zu sein, sondern den Mittelweg zwischen Individualität und Respekt gefunden zu haben.
© Text: Sabine Hopf © Foto: Sebastian Hopf
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