Die Premium Economy Class

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Infos rund ums Fliegen für eine Australienreise


Fliegen "fast" wie in der Business Class?

zusammengestellt von Wibke Radder

 

Eurowings Best-762

 

Besonders auf Langstreckenflügen können sich viele Passagiere schöneres vorstellen, als mehrere Stunden in einer gefühlten Sardinenbüchse zwischen fremden Mitreisenden zu verbringen. Die nehmen am besten noch beide Armlehnen in Beschlag und reagieren gereizt, wenn sie ein wenig rücken müssen, weil man irgendwann nach 5 Stunden Flug auch mal zur Toilette muss.

Die Holzklasse ist nicht umsonst bei vielen Reisenden verhasst und doch kann man sich kein Ticket für die ersehnte Business oder First Class leisten. Ein bisschen mehr Beinfreiheit, ein bisschen mehr Abstand zu den Sitznachbarn, weil man ja doch nicht immer kuscheln will, würde eigentlich schon genügen.

Schon seit einiger Zeit gibt es Abhilfe. Viele Airlines werben mit der Premium Economy Class, die ein Mittelding zwischen Economy Class und Business Class sein soll. Bei manchen Airlines heißt sie 'Classica Plus' (Alitalia), 'World Traveller Plus' (British Airways) oder auch 'Comfort Class' (Turkish Airlines). Für einen 'bezahlbaren' Preis wird den Passagieren - egal bei welcher kreativen Namensschöpfung - mehr Freiraum, Komfort und Qualität vor und während des Flugs versprochen.
 

Doch was genau ist der Unterschied zwischen Economy Class und Premium Economy? Was kostet das Upgrade? Und lohnen sich die Mehrkosten überhaupt?
 

Zurzeit bieten noch nicht alle Airlines die Premium Economy Class an. Auch die Airlines, die die Premium Economy bereits eingeführt haben, verfügen nur in einigen Maschinentypen über entsprechende Kontingente.

Das erklärt, warum die Premium Economy bei Langstreckenflügen manchmal nur auf Teilstrecken verfügbar ist. Bucht man einen Flug in der Premium Economy von Düsseldorf über London bis nach Asien, kann es durchaus vorkommen, dass man auf dem Zubringerflug von Düsseldorf nach London in der Holzklasse landet.

Momentan schließen sich immer mehr Airlines dem nicht mehr ganz neuen Trend an. Es ist also abzusehen, dass sich die Premium Economy in naher Zukunft etablieren und vermehrt verfügbar sein wird.

Die Sitze

In den meisten Maschinen hat die Premium Economy ihr eigenes Abteil und ist mit ca. 35 - 40 Premium Economy Sitzplätzen ausgestattet.

Hat man Glück und fliegt z.B. mit Singapore Airlines, kann man in einem so genannten 'Recliner' Platz nehmen. Diesen Sitztyp kann man sich wie einen Fernsehsessel vorstellen, bei dem eine Beinstütze ausfährt, wenn man sich mit dem Sitz nach hinten lehnt (siehe Fotos unten). Die meisten Airlines benutzen in ihrer Premium Economy jedoch keine 'Recliner', sondern verbesserte Standardsitze. Zudem sind Fuß- und Kopfstütze häufig individuell verstellbar.

SIA Premium Economy-800SIA Premium Economy2-800

Den größten Unterschied von der Economy zur Premium Economy macht der Sitzabstand zum Vordermann aus. Dieser ist in allen Airlines durchgängig um 10 - 15 cm größer geworden und beträgt in dieser "Zwischenklasse" etwa 95 cm. Die Premium Economy Sitze von  Cathay Pacific haben beispielsweise einen Abstand von ca. 96,5 cm, während der Sitzabstand in der normalen Economy bei ca. 81,3 cm liegt (siehe Fotos unten). Turkish Airlines hat sich in der Premium Economy sogar von ca. 81 cm auf ca. 117 cm gesteigert. Man kann seine Beine also wunderbar ausstrecken. Größeren Personen reicht dieser Platz wahrscheinlich immer noch nicht zum lang machen, aber zumindest hängen die Knie nicht mehr unterm Kinn.

PEY-KabinePEY-Kabine3PremiumEconomyClass

Die Sitzbreite von ca. 47 - 50 cm in der Premium Economy umfasst im Gegensatz zum Sitzabstand nur etwa 2 - 4 cm mehr als in der normalen Economy.  Cathay Pacific beispielsweise bietet in der Boeing 777-300ER die Premium Economy mit einer Sitzbreite von 49,5 cm an. Die Sitze in der normalen Economy sind ca. 47 cm breit. Eine echt Ausnahme sind da z.B. Virgin Atlantic, die sich in der Sitzbreite von der Economy zur Premium Economy von ca. 44,5 cm auf ca. 53,4 cm um fast 9 cm gesteigert haben.

Ein Plus bei allen Airlines sind die breiteren und fest montierten Armlehnen, die die einzelnen Sitze voneinander trennen. Die Sitzfläche bietet also nicht unbedingt mehr Platz, aber immerhin ist der Abstand zum geliebten Sitznachbar etwas größer geworden. Nachteil: Ist der benachbarte Sitzplatz frei, kann man die Armlehne nicht einfach hochklappen und sich auf beiden Sitzplätzen ausstrecken.

Weitere Vorteile in der Premium Economy bieten die größeren und stabileren Ausklapptische - man muss keine Angst mehr haben, dass einem die heiße Suppe über die Hose läuft, wenn der rücksichtsvolle Vordermann den Sitz ruckartig nach hinten lehnt. Die Premium Economy Sitze bei Singapore Airlines (siehe oben) oder Air France verfügen außerdem über individuell verstellbare Leselampen.

Das Essen

Zwischen den verschiedenen Klassen gibt es bei den Airlines deutliche Unterschiede was das Essen betrifft. Sei es die Auswahl, die Qualität oder die Menge an Mahlzeiten und Getränken - je höher die Flugklasse ist, desto mehr kann man in der Regel vom kulinarischen Angebot erwarten.

Genau wie bei Sitzgröße und -abstand haben die Airlines allerdings auch beim Thema Essen unterschiedliche Maßstäbe für die Premium Economy angesetzt.

 Singapore Airlines bietet den Fluggästen der Premium Economy ein echtes Highlight an. Bei Flügen ab Hong Kong, Singapur, London oder Sydney ist der 'Book the Cook' Service, der normalerweise der Business und First Class vorenthalten ist, auch für Passagiere in der Premium Economy erhältlich. Er ermöglicht den Fluggästen bis zu 24h vor dem Abflug aus 9-10 verschiedenen Gerichten für den anstehenden Flug zu wählen. In der Economy ist dies nicht möglich. Eine echte Steigerung also!

Lufthansa hingegen wirbt mit einem Willkommensgetränk und einer eigenen Flasche Wasser für Premium Economy Gäste. Da man sowohl in der Economy als auch in der Premium Economy auf Langstreckenflügen das umfangreiche Getränkeangebot kostenlos in Anspruch nehmen kann, ist dieser zusätzliche Service wohl eher Schein als Sein. Inwiefern sich die Gerichte und das Snackangebot von Premium Economy und Economy unterscheiden, wird im Internetauftritt der Airline leider nicht ersichtlich.

Wer mit der Premium Economy fliegen möchte und großen Wert auf das Essen legt, sollte sich in jedem Fall bei der Buchung über das genaue Menü- und Getränkeangebot informieren. Erwischt man die richtige Airline, kann man fast auf dem Niveau der Business Class speisen, bei anderen Fluggesellschaften entspricht das kulinarische Angebot eher der Economy Class.

Der Service

Bereits vor Abflug sollen Premium Economy Passagiere von ihrem Upgrade profitieren. Cathay Pacific oder auch Singapore Airlines bieten dazu gesonderte Check-in Schalter und bevorzugtes Boarding an. Langes Warten an der Gepäckaufgabe fällt damit weg und auch beim Boarding soll es etwas schneller gehen. Business und First Class dürfen natürlich weiterhin zuerst ihre Plätze einnehmen, ganz ohne Warten geht es also nicht.

Mehr Service bieten viele Airlines auch mit einer erhöhten Gepäckfreigrenze. Bei  Singapore Airlines dürfen Premium Economy Passagiere anstatt 30 kg Gepäck 35 kg aufgeben. Das gilt auch für  Cathay Pacific, wo ebenfalls 35 kg erlaubt sind. Anders sieht dies bei  Air China aus. Bei der Airline beträgt die Gepäckfreigrenze in der Premium Economy genau wie bei der normalen Economy 23 kg.

Mit dem ansprechend designten 'Amenity Kit' soll sich der gehobene Service auch an Bord fortsetzen. Neben Trombosestrümpfen, Zahnbürste, Zahnpasta und Schlafmaske, die regulär auch in der Economy vorhanden sind, gibt es in der Premium Economy zusätzlich Ohrstöpsel, teilweise auch Socken und je nach Airline weitere Aufmerksamkeiten. Virgin Atlantic verschenkt beispielsweise Kugelschreiber.

Der Preis

Die Preise für das Upgrade können von Flug zu Flug, auch innerhalb einer Airline, deutlich variieren. Das liegt unter anderem an den unterschiedlichen Standards je Fluglinie. Außerdem ist die Premium Economy, wie bereits angesprochen, nicht immer auf allen Teilstrecken verfügbar. Je nach Reisezeit kommen zusätzlich Saisonzuschläge hinzu. Bei Flügen nach Australien kann man jedoch mit Komplettpreisen ab 2.000/ 2.200 € für Premium Economy Flüge bei einer guten Airline planen.

Für einen Flug mit Singapore Airlines von Frankfurt nach Australien hat man bei dem Spezialangebot zur Einführung der Premium Economy ab 300 € pro Streckensegment gezahlt (sprich Frankfurt - Singapur, Singapur - Australien, Australien - Singapur, Singapur - Frankfurt). Für Hin- und Rückflug sind das insgesamt 1200 €. Die regulären Preise für das Upgrade können deutlich höher sein.

Bei  Cathay Pacific kann man ab 250 € Aufpreis pro Streckensegment rechnen. Ein Hin- und Rückflug nach Australien liegt also bei ca. 1000 € Aufpreis, was den regulären Flugpreis fast verdoppelt.

Auf Strecken nach Asien kostet das Upgrade in die Economy Comfort bei Finnair hingegen gerade einmal 60 - 75 €. Kaum zu glauben, wenn man dazu die Preise von Singapore Airlines oder Cathay Pacific vergleicht. Der niedrige Preis spiegelt sich jedoch auch bei Ausstattung und Service wieder. Bis auf 10 cm mehr Beinfreiheit, bessere Kopfhörer und eine bequemere Kopfstütze unterscheiden sich die 'Economy Comfort' Sitze nicht von der normalen Economy. Einen gesonderten Service für die Zwischenklasse gibt es nicht.

Pauschal zu sagen, wie viel ein Upgrade kostet, ist nicht möglich. Genau wie die Preise variieren, gibt es auch bei Komfort und Service deutliche Unterschiede.

FAZIT

Die Premium Economy wird mit unzähligen Vorteilen und vielen kleinen Extras beworben. Im Großen und Ganzen machen eine Flasche Wasser mehr oder weniger oder ein speziell designtes Amenity Kit nicht den bedeutenden Unterschied zur Holzklasse aus und sind den Aufpreis nicht wert. Womit die Premium Economy hingegen wirklich punkten kann, sind die bequemeren Sitze und der größere Abstand zum Vordermann.

Für größere oder auch ältere Personen, die komfortabler fliegen möchten, ist die Zwischenklasse also eine gute Lösung, da sie im Gegensatz zur Business Class, halbwegs erschwinglich ist und deutlich mehr Komfort bietet als die Holzklasse. Der Komfort der Business Class wird jedoch lange nicht geboten. Vor allem auf Langstreckenflügen macht es einen großen Unterschied, ob man seine Beine 'nur' ausstrecken kann oder tatsächlich in einem Bett liegt.

Bei der Flugbuchung sollte man sich über die genauen Vorteile und die Sitze der entsprechenden Airline sowie die Verfügbarkeit der Zwischenklasse auf allen Teilstrecken informieren.

Studenten, Schüler oder Berufsanfänger, die nicht gerade im Geld schwimmen und keine körperlichen Einschränkungen haben, sollten sich ein Upgrade gut überlegen. 1.000 € sind viel Geld, wenn man noch in der Ausbildung oder im Studium steckt. Und wer in jungen Jahren nicht gerade Rückenprobleme o.ä. hat, wird auch einen Flug nach Asien, Australien oder Neuseeland in der Holzklasse gut überstehen.

TIPP

Arabische Airlines wie  Etihad,  Emirates oder Qatar Airways haben immer wieder Spezialangebote für die Business Class. So kann man mit einem Partnertarif* schon ab 2.500 € p.P. in der Business Class nach Australien fliegen. Man müsste also nur wenige hundert Euro mehr investieren um statt in der Premium Economy in der deutlich gehobeneren Business Class zu fliegen. Bei der Reiseplanung also unbedingt nach solchen Angeboten fragen, wenn man in ein Upgrade investieren möchte!
*Partnertarife gelten dann, wenn zwei Tickets zusammen gebucht werden. Die Passagiere müssen keinesfalls Ehepartner oder ein Paar sein.

© Foto ganz oben: Eurowings; Fotos Sitze: Singapore Airlines; Cathay Pacific

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