Wwoofing - moderne Sklaverei?

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Magazin - Reisestories aus Australien

Gefangen im Outback

eine Reportage von Sabine Hopf

 

Die Wwoof-Idee ist simpel: Für bis zu 6 Std. Mitarbeit täglich erhält man freie Unterkunft, Verpflegung und Familienanschluss. Ob Farm, Wildpark oder privater Gemüsegarten, jeder kann sich der Wwoof-Organisation als Gastgeber anbieten und jeder Interessierte hat die Möglichkeit, diese Angebote zu nutzen. Eine gute Idee, um abseits eingefahrener Touristenpfade intensivere Erfahrungen mit den "Einheimischen" zu machen. Begonnen hatte Wwoof-Neuseeland mit diesem Programm bereits in den 1970er Jahren. Mittlerweile kann man in vielen Ländern der Welt ,,wwoofen". Natürlich weiß niemand, auf was man sich einlässt. Woher auch? Aber worüber sollte man sich auch Sorgen machen?

Wwoofing auf dem Land - Foto: Laura KluthIch hatte mich gut vorbereitet.
Bei meiner Ankunft in Sydney erwarteten mich acht Antwortbriefe auf Anfragen nach einem Wwoofing-Aufenthalt, die ich schriftlich einige Wochen vorher bei Gastfamilien gestellt hatte. Von 10 Anfragen 8 positive Antworten überraschten mich.
Ich begann zu telefonieren, um nähere Einzelheiten zu besprechen.

Der 1. Anruf war enttäuschend. Nein, z. Zt. hätte man 3 Wwoofer und könne keinen 4. aufnehmen.
Mein 2. Anruf betraf einen Reitpark nördlich Dalby in Queensland. Dort suchte man laut Wwoof-Broschüre einen erfahrenen Reiter für die Begleitung von Ausritten. Für mich ein interessantes Angebot. Doch die Schreiberin des Antwortbriefes, Chris, hatte mitgeteilt, dass sie äußerst schlechte Erfahrungen mit Wwoofern gemacht hätte und daher nun 187,-A$ pro Woche für einen Aufenthalt berechnen würde - wenn sie überhaupt wieder Wwoofer aufnehmen sollte. Trotzdem bat sie um einen Anruf, da sie bei mir vielleicht eine Ausnahme machen wollte.

Eigentlich wollte ich diesen Anruf nur tätigen, um abzusagen. Die depressive, ablehnende Art, in der sie ihren Brief geschrieben hatte, gefiel mir nicht. Sie erklärte, Wwoofer würden sowieso nur zum Reiten, jedoch nicht zum Arbeiten zu ihnen kommen. Außerdem verbot sie das Rauchen grundsätzlich auf ihrem gesamten Grundstück.
Am Telefon erklärte sie nun, sie wäre vor kurzem mit Brustkrebs diagnostiziert worden und wäre sehr krank. Mit den Pferden könne sie daher nicht mehr arbeiten. Ihr Wunsch sei es aber, eine ihrer Stuten auf einer Show vorzustellen und ich, da pferdeerfahren, könnte ihr dabei helfen.
Ich ließ mich überreden und wir einigten uns: Ich brauchte nichts zu bezahlen und Rauchen durfte ich außerhalb meines Caravans, den ich bewohnen sollte.

Zwei Tage dauerte meine Reise von Sydney nach Dalby - zwei endlose Tage in Bussen. Bereits beim Umsteigen in Brisbane fühlte ich eine Erkältung herannahen. Die Nase lief, Kopfschmerzen stellten sich ein. Kurz spielte ich mit dem Gedanken abzusagen. Aber ich hatte ein Versprechen gegeben und Versprechen halte ich grundsätzlich ein.

Und überhaupt, eigentlich wäre er gegen meinen Aufenthalt gewesen

In Dalby wurde ich von Chris' Ehemann Peter abgeholt. Wir fuhren weitere 70 km Richtung Norden. Peter war wenig gesprächig. Er wirkte verärgert, depressiv und wiederholte nur kurz, was mir Chris am Telefon bereits ausführlich erläutert hatte: Wwoofer wären grundsätzlich arbeitsunwillig, das Essen würde ihnen nie schmecken und überhaupt - eigentlich wäre er gegen meinen Aufenthalt gewesen. Ein herzlicheres Willkommen hätte es kaum geben können.

Der Pferdepark lag inmitten eines Gemeindewaldes: Ein modernes Holzhaus, Tiergehege, Pferdekoppeln, frei herumlaufende Hühner.
Chris begrüßte mich ohne ein Lächeln in einer halbgeöffneten Bluse, die Einblick auf eine mit Mullbinden verbundene Brust bot und einem Sarong der 2/3 ihrer Hüften bedeckte. Sie hatte mind. 40 kg Übergewicht und ihre Haare schienen seit Wochen nicht gewaschen. Im Inneren des Hauses herrschte Chaos. Dreck, ungewaschenes Geschirr, Klamotten überall. Ich ließ mir meine Überraschung nicht anmerken. Peter zeigte mir den Caravan.
Ca. 50 Meter vom Haus entfernt stand ein Wohnwagen: Mindestens 25 Jahre alt und so verwohnt, dass er eigentlich auf einen Schrottplatz gehört hätte. Es roch muffig. Weder fließend Wasser noch Elektrizität. Auf dem mit Gas betriebenen Kühlschrank stand ein 20-Liter-Wasserkanister.
Die Toilette, ein Plumsklo, lag 40 Meter entfernt und die Dusche, ein alter Schuppen, weitere 20 Meter. Peter erklärte, bis vor ein paar Jahren hätten er und Chris Plumsklo und Dusche noch selbst benutzt. Jetzt, nachdem im Haus ein Bad eingebaut worden war, würde beides den Wwoofern zur alleinigen Nutzung zur Verfügung stehen.
Ich war schockiert. Auf was hatte ich mich eingelassen? Meine Erkältung verschlimmerte sich bei diesen Bedingungen zunehmend. Peter gab mir eine Gaslaterne und ließ mich auspacken.
Ich sah in meinen Kühlschrank. Eine Anweisung lautete, dass ich zum Frühstück nicht ins Haus kommen sollte, um Peter und Chris am Morgen nicht zu stören. Ich fand eine Packung Toastbrot, ein Paket Billigmargarine, eine kleine Dose Instantkaffee und ein Glas Marmelade.

In der Nacht schlief ich schlecht. Eine dünne Matratze lag auf einer losen Spanplatte, die wiederum auf einer Holzumrandung lag. Hielt man das eigene Gewicht nicht in der Mitte, kippte man samt Spanplatte zur Seite und rutschte auf der Schräge gehen die Wand.
Ich war verzweifelt und entschlossen, Chris und Peter am Morgen zu bitten, mich zu einem Arzt zu fahren. Meine Erkältung verschlimmerte sich und außerdem hoffte ich bei dieser Gelegenheit das Grundstück umgehend verlassen zu können. Ich wußte, dass ich hier nicht bleiben konnte. Auf keinen Fall.

,,Du brauchst keinen Arzt", erklärte Chris am nächsten Morgen. Ich hatte ihr verständlich zu machen versucht, dass ich unmittelbar aus Afrika kam, mich in einem Malariagebiet aufgehalten hatte und jedes Anzeichen einer Erkältung schnellstmöglich auf eine beginnende Malaria hin untersucht werden sollte.
Sie grinste hämisch, sah ihren Ehemann an und erwiderte: "Wir wissen, dass Du keinen Arzt brauchst. Wir haben in Malariagebieten gelebt und wissen, wie eine Malaria aussieht. Und Du kannst sicher sein, Du hast garantiert keine Malaria."
Es verschlug mir die Sprache. Wie konnte man einem erwachsenen Menschen, der grundsätzlich für sich selbst verantwortlich ist, einen Arzt verweigern. Panik machte sich breit.
Man gab mir Vitaminpillen und schickte mich zurück in den Caravan.

So war Arbeit doch angenehmer, als stundenlang alleine dahin zu vegetieren...

Foto: Jana NollmannAm Nachmittag half ich Peter einen 200m langen Zaun einzureißen. Auch wenn ich krank war, so war Arbeit doch angenehmer, als stundenlang im stickigen Caravan alleine dahin zu vegetieren.

Am nächsten Morgen ging es mir nicht besser. Taschentücher hatte ich keine und lief daher ständig mit tropfender Nase herum. Man kam nicht auf die Idee, mir welche anzubieten.
Ich hatte das Füttern der Pferde übernommen und war überrascht, als mir Chris in meinem schlechten Zustand auch noch auftrug, das gesamte Haus erst zu kehren und danach nass aufzuwischen.
Ständig lief sie in ihrem halbangezogenen Flatterdress herum, jammerte vor sich hin, wie schlecht es Ihr ginge und schimpfte auf die Ärzte, die sowieso alle Scharlatane waren. Ich widersprach nicht und säuberte das Haus.
Ganze 3 Std. benötigte ich dazu und konnte später meinen Rücken nicht mehr gerade halten. Zu meinen Kopf- und Gliederschmerzen gesellte sich nun auch noch ein schmerzender Rücken.

Am Nachmittag des 3. Tages sprach ich mit Chris. Ich erklärte, dass ich in meinem Zustand keine großartige Hilfe für sie sein konnte und es daher für das beste hielt, wenn ich wieder abreise.
Chris wurde sehr ungehalten und erklärte, dass Peter voraussichtlich morgen - vielleicht auch erst übermorgen - für einige Tage in die entgegengesetzte Richtung zum Arbeiten fahren würde und nicht vor Ende der Woche zurückkäme. Dann - vielleicht - könne er mich nach Dalby zu einem Arzt bringen. Wir hatten Montag. Diese lange Wartezeit erschien unerträglich. Ich war gefangen und den beiden ausgeliefert.

Am Dienstag zog der Virus von meiner Nase in die Lunge. Ich hatte nun auch noch Durchfall bekommen und die halbe Nacht im strömenden Regen Spaziergänge zum Plumsklo unternommen. Ein trockenes T-Shirt besaß ich mittlerweile nicht mehr. Einen Schirm für meine Toilettengänge gab es nicht.
Meine Stimme hatte sich in Krächzen verwandelt, aber Peter wies mich an, den Garten um das Haus von Unkraut zu beseitigen. Immer noch regnete es unaufhaltsam. Da ich die beiden nicht gegen mich aufbringen wollte und bei guter Laune halten musste, schließlich waren sie die einzigen, die mich von hier wegbringen konnten, fügte ich mich willenlos.

Gegen Mittag hörte ich, wie beide über einen Termin bei einem Tierarzt in Brisbane sprachen und ich schöpfte Hoffnung. Wenig später sprach ich Peter darauf an. Er könne mich auf dem Weg nach Brisbane doch in Dalby absetzen?
,,Wir reden nach dem Abendessen darüber, ob du gehen kannst," war seine kurze Antwort und ich begann ängstlich zu zittern. Was war das für eine Antwort? Kam ich jemals wieder hier weg?
Chris wurde unverschämt und schrie mich an: “Was mich an euch Leuten so ankotzt ist, dass ihr nie eure Versprechen einhaltet."
,,Aber ich bin doch krank und versuche trotzdem mein Bestes."
,,Wir haben einen Vertrag und du erfüllst ihn nicht."
,,Aber wie soll ich, wenn ich erkältet bin?"
Sie schrie weiter und ich verließ den Raum.
Kurze Zeit später fragte ich Peter, wann er morgen nach Brisbane aufbrechen wollte. Zuerst blieb er vage, dann verabredete er 7 Uhr als Abfahrtzeit.

Ich blieb abends in meinem Caravan. Ein Abendessen erhielt ich nicht. Da Lunch ebenfalls ausgefallen war, hatte ich an diesem Tag außer Frühstück nichts zu mir genommen. Toastbrot hatte ich keines mehr. Unter unerträglichem Hunger schlief ich erst spät in der Nacht ein.

"Entweder du zahlst, oder du bleibst hier"

Um 6.45 Uhr saß ich am nächsten Morgen vor meinem Caravan auf gepacktem Gepäck.
Peter kam griesgrämig auf mich zu und erklärte: ,,Ich bekomme 70,- A$ von dir!"
,,Für was?” fragte ich.
,,Für Unterkunft und Verpflegung.”
,,Aber ich habe gearbeitet so gut es ging und dass ich krank bin, dafür kann ich doch nichts. Ich habe mein Bestes gegeben.”
,,Entweder du zahlst, oder du bleibst hier," war seine simple Antwort.
Ich wollte nur weg - so schnell wie möglich - daher willigte ich ein, obwohl die Forderung mehr als unverschämt war.
Wir stiegen in den Jeep und stoppten noch einmal vor dem Haus.
,,Du sagst jetzt freundlich auf Wiedersehen und vielen Dank für alles zu Chris und trägst dich ins Gästebuch ein." Er sprach zu mir wie zu einem Kind.
Da ich mich weigerte, eine Eintragung ins Gästebuch zu machen - was hätte ich auch schreiben sollen - schrie er mich an ich solle endlich tun was man mir sage und schubste mich zum Schreibtisch. Chris schrie aus der anderen Ecke des Hauses, dass ich nun ein für alle Mal der letzte Wwoofer gewesen wäre, den sie beherbergt hätte und beschimpfte mich eine unzuverlässige, unverschämte Lügnerin. Ich stieg eilig ins Auto.

Als wir durch das Tor Richtung Dalby fuhren, klopfte mein Herz so heftig, dass ich glaubte, Peter könne es hören. Wir sprachen kaum.
In Dalby setzte er mich an der Busstation ab. Ich stürmte ins Büro, fiel dem Angestellten dort erleichtert um den Hals und fing vor Freude hemmungslos an zu weinen.

Personen und Handlung sind NICHT frei erfunden.
Die Namen wurden von der Autorin aus rechtlichen Gründen geändert.

Fazit:
Wenn man annimmt, eine weltweite Organisation wie “Wwoof” unterziehe ihre Mitglieder einer Prüfung, so irrt man. Es gibt keinen offiziellen Prozess, in dem die Unterbringungsmöglichkeiten und Arbeitsbedingungen bei den sog. “Hosts”, also den Gastgebern, untersucht werden. Jeder, der direkt oder indirekt in Landwirtschaft, ob in großem Umfang oder nur für den Hausgebrauch, involviert ist, kann sich als Wwoof-Gastgeber anbieten.

Es ist keinesfalls sichergestellt, dass der Gast auch wirklich nur 6 Std. pro Tag arbeiten muss. Es ist nicht garantiert, dass man 3 Mahlzeiten am Tag erhält. Man ist auf sich selbst gestellt und muss in Gebieten, in denen man nicht mit Bus oder Taxi schnell das Weite suchen kann, wenn einem die Sache nicht schmeckt, mit allem rechnen.
Zukünftigen Wwoofern sei geraten, das Vorab-Telefongespräch, in dem Einzelheiten des Aufenthaltes intensiv besprochen werden sollten, mit klugem Menschenverstand zu führen und den eigenen Gefühlen und natürlichen Instinkt zu vertrauen. Hätte ich meinem Instinkt vertraut, wäre mir eine äußerst unangenehme Erfahrung erspart geblieben.

Nach meinem Australienaufenthalt habe ich Wwoof-Australia mit Sitz in Melbourne einen ausführlichen Bericht meiner Erfahrungen übersandt.
Bis heute ist weder eine Stellungnahme noch eine Entschuldigung bei mir eingegangen.
© Fotos v.o.n.u.: Laura Kluth; Jana Nollmann

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