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Magazin - Reisestories aus Australien

Wwoofing in Westaustralien

Eine Reportage von Sabrina Krebs

 

Wer bei acht bis zehn Stunden pro Tag freiwillig unter der glühend heißen Sonne arbeitet, der muss verrückt sein. Zumindest aber am Ende des Monats ein paar Dollars in der Tasche haben. Seit Abschaffung der Sklaverei liegt dieser Gedanke zwar nahe, für viele Rucksackreisende bedeutet die unentgeltliche Arbeit jedoch mehr, als nur den Zweck der Existenzsicherung. „WWOOFing“ heißt das inzwischen dreißig Jahre alte Phänomen. Was treibt jährlich tausende Menschen dazu, unbezahlte Arbeit zu leisten?
Das Sahnehäubchen der modernen Sklaverei liegt im Detail versteckt und ist irgendwo zwischen vollem Bauch und warmer Unterkunft zu finden.

Farmhütte und "Zuhause" - Foto: Sabrina KrebsUm fünf Uhr morgens ist die Welt noch in Ordnung. Auch in Australien. Noch schlaftrunken nippe ich an meiner dampfenden Tasse Instantkaffee und atme die kühle Morgenluft Westaustraliens ein. Die letzten „Motorbike-Frogs“ quaken ihren Abschiedsgruß für diese Nacht und schalten vom dritten in den zweiten Gang. Zumindest hört es sich so an. Eine Schar grüner Papageien fliegt an mir vorbei. Es sind Ringsittiche, wie mir Thomas Schad, der Besitzer der Pferdefarm auf der ich einen Monat lang als Wwooferin gegen Kost und Logis arbeite, später erklärt. Die Sonne schiebt sich gerade wenige Zentimeter über das Dach der Pferdeställe, als die Sprinkleranlage mich mit ersten schwerfälligen Wassertropfen zur Bewegung antreibt. So harmlos, wie sie jetzt tut, ist sie nicht. In wenigen Augenblicken wird es unmöglich sein, noch trockenen Fußes zu den Stallungen zu gelangen. Mit langen Schritten eile ich über den Steg des Teichs vor meiner Hütte, hin zu meinem Arbeitsplatz.

Ich mache mich an die Arbeit und miste den ersten Pferdestall aus. Vier weitere liegen noch vor mir. Nach zwei Wochen sitzt jeder Handgriff und ich habe es mir abgewöhnt, nach den Fliegen zu schlagen, die sich abwechselnd an meinen Augen, Ohren, Mund und Nase niederlassen. Meine Muskeln schmerzen schon lange nicht mehr, sie haben sich an die harte Arbeit auf der Farm gewöhnt, genau wie ich mich an die Fliegen. Oder die Fliegen an mich.
An diesem Morgen muss ich mich etwas beeilen und schneller als gewohnt Mist schaufeln. Ein weiterer Job wartet auf mich: Der des Reiseleiter-Trainees. Thomas und seine Frau Marion betreiben nicht nur eine Pferdefarm, sondern auch ein Reiseunternehmen im Luxussegment. Vor über zwanzig Jahren sind die beiden Deutschen nach Australien ausgewandert, mit nichts als ihrer Liebe zueinander und zu ihren Pferden. Aus Thomas Leidenschaft für die Natur und das Reisen erwuchs die Idee, Luxustouren im Westen des roten Kontinents anzubieten. Nachdem ich ihn auf der Tour live erlebte, weiß ich, warum die Gäste ihm kaum noch Zeit für die Pferde lassen.

Das Glück kann einem bei der Wahl der Gastfarm hold sein - oder auch nicht

Wwoofing Farm in Perth - Foto: Sabrina KrebsIch darf Thomas heute auf eine Tour begleiten und, unter dem Deckmantel der Reiseleiterauszubildenden, zu den berühmten Pinnacles im Nambun Nationalpark fahren.
Ich habe Glück, denn die Mitgliedschaft bei WWOOF-Australia berechtigt zwar zum entgeldlosen Arbeiten gegen Unterkunft und Essen, nicht aber zwingend auch zu solch abwechslungsreichen Extras, wie ich sie heute erleben soll.
Das Glück kann einem bei der Wahl der Gastfarm hold sein oder auch nicht. Mein letztes Wwoofing-Erlebnis spielte sich in einem klapprigen Caravan auf einer Kräuterfarm ab. Der umgebaute Wohnwagen beherbergte handtellergroße Spinnen, Mäuse, Eidechsen und eine große Auswahl an Käfern. Eine Toilette gab es nicht, dafür aber viel Busch und weite Wiesen.

Es ist bereits 6.00 Uhr, als Marion die beiden Hengste von der Koppel in die Ställe führt. „Thomas holt dich in einer halben Stunde am Tor ab!“ ruft sie mir entgegen, als ich mit meiner letzten Fuhre Pferdemist an ihr vorbeikomme. Ich tippe mir kurz an meinem breit-krempigen Aussi-Hut zum Zeichen, dass ich verstanden habe. Den Mund zu öffnen wage ich nicht. Fliegen. Ich bin bereits jetzt verschwitzt und staubig von der trockenen Erde. Nachdem ich die leere Schubkarre weggebracht habe, bringe ich im Eiltempo meine drei Schützlinge von der Weide in die Boxen.

Dreißig Minuten später sitze ich frisch gewaschen und in sauberer Kleidung neben Thomas in einem schnieken Reisebus. Der Mercedes bietet fünfzehn Passagieren viel Platz und Beinfreiheit. Die vergangenen Monate bin ich mit wackeligen Backpacker-Bussen von einem Ort zum anderen gereist und traue mich kaum, die Armaturen vor mir anzufassen.
Von Thomas erhalte ich auf unserem halbstündigen Weg zu Westaustraliens Hauptstadt Perth ein kurzes Briefing und ein Namensschild, schließlich soll meine Tarnung perfekt sein. Über meine Rolle sind wir uns schnell einig, grinsen einander verschwörerisch an und reden schließlich wieder einmal über Gott und die Welt.
Um 7.30 Uhr sammeln Thomas und ich schließlich zwölf Gäste vor ihrem Hotel ein und nehmen Kurs auf Cervantes, einer kleinen Hafenstadt 200 km nördlich von Perth und Ausgangspunkt zu den Pinnacles. Nach zwei Stunden unterhaltsamer Fahrt, während der ich tatsächlich über ein Mikrofon meine Kenntnisse zur australischen Geografie kundtue, erreichen wir die Mondlandschaft der Pinnacles. Bis zu vier Meter hoch werden die Kalksteine, die sich über eine Fläche von fünf Kilometern erstrecken und bizarr aus dem Boden wachsen. Fasziniert schlendert unsere Gruppe an großen und kleinen Kalksäulen vorbei, während Thomas uns deren umstrittene Entstehung erklärt.

Die Aborigines glauben, der Ort ist verhext

Pinnacles, Western Australia - Foto: Sabrina Krebs„Mehrheitlich vermutet die Wissenschaft die Freilegung der Kalksteinsäulen durch Schmelzwasser aus der Eiszeit,“ beginnt Thomas und deutet auf ein besonders anschauliches Exemplar. „Über Jahrhunderte wurde das Kalkgestein permanent von Sand überlagert, auf dem daraufhin Pflanzen wuchsen. Humus und Feuchtigkeit führten zu tiefen Rissen im Kalkgestein und sprengten sie schließlich. Die Sandschichten sackten weiter in die entstandenen Spalten ab. Sandstürme über mehrere hundert Jahre erstickten die Pflanzen letztlich und ihre Wurzeln konnten den Boden nicht mehr zusammenhalten. Nach und nach wehten die Winde die Sandschichten davon und legten die darunter liegenden Kalksteinschichten frei, die heute nur noch in Form riesiger Kalksäulen zu sehen sind,“ beendet Thomas seine Ausführung und alle blicken seiner ausschweifenden Handbewegung nach.

Ein Meer aus Kalksäulen liegt vor uns. Ich bleibe einen Moment bei Thomas stehen und frage ihn, ob er schon einmal bei Nacht hier gewesen sei. „Nein, aber ich würde sie gerne einmal im Mondlicht sehen,“ verrät er mir. „Die Aborigines glauben, der Ort ist verhext. Wenn es dunkel wird, werden laut ihrem Glauben die Säulen zu Gestalten der Nacht und wandern ziellos umher.“

Ich bekomme trotz sengender Hitze eine Gänsehaut und kehre schließlich mit den anderen Teilnehmern zu unserem Bus zurück. Jeder ist dankbar, den lästigen Fliegen und der glühend heißen Sonne zu entkommen.
Vorbei an blühenden Sträuchern und einem Meer an duftenden Wildblumen, werde ich Zeugin des westaustralischen Frühlings.

Kurz darauf erreichen wir die Hangover Bay. Die Bucht ist bekannt für ihre schneeweißen Sandstrände und sorgt in unserer kleinen Truppe für Heiterkeit, denn vier der Teilnehmer kommen gerade aus dem verschneiten Nordeuropa.
Angesichts strahlender Sonne und leichtem Wellengang wirkt der Gedanke an nasskalte Winter beinahe absurd und wie zum Beweis schnellt ein Seelöwe vor uns aus dem Wasser. Mir kommt mein Leben in Deutschland plötzlich unendlich weit weg vor. Ich entferne mich ein paar Schritte von der Gruppe und wandere die Dünen entlang. Der Wind hat etwas zugenommen und trägt den Geruch des Meeres zu mir. Ich setze mich einen Moment und versuche das zu benennen, was mich in diesem Augenblick vollkommen ausfüllt. „Wir fahren in fünf Minuten weiter!“ höre ich Thomas zu den Gästen sagen. Kurz darauf sitze ich wieder auf dem Beifahrersitz und fahre zurück nach Perth.
Als ich in den Rückspiegel schaue, sehe ich müde und zufriedene Gesichter. Der Abschied am Ende unserer Tour ist herzlich und ich bekomme von drei Gästen Adressen mit der Bitte, mich bei ihnen zu melden und von meinen Reiseerlebnissen zu berichten. Ich sage Bekannten auf Wiedersehen, nicht Fremden.

Das Gefühl heute in den Dünen: Es heißt Freiheit

Nachdem Thomas den Bus wieder auf der Farm geparkt hat, putze ich hundemüde und überglücklich im Scheinwerferlicht den Bus. Kaum lege ich meinen Schwamm zur Seite ruft Marion mich zu sich. Die Pferde müssen über Nacht auf die Weiden gebracht werden. Ich stecke noch in meinen feinen Sachen und überlege kurz, ob ich mich schnell umziehen soll. Die Antwort auf meine unausgesprochene Frage gibt mir der riesige Schimmel, der vorwurfsvoll aus seiner Box zu mir herüberwiehert. „Ich bin spät dran heute“, will er mir wohl sagen.

In meiner einzigen guten Hose und meinem letzten zivilisierten Hemd stehe ich schließlich am Ende dieses langen Tages am Gatter und beobachte meine großen vierbeinigen Freunde, die im Mondlicht zufrieden über ihre Weide fegen.
Wwoofing moderne Sklaverei? Ich gehe langsam den Weg Richtung Ställe zurück, hänge die Führstricke an die Haken und beginne, mich in der Sattelkammer zu waschen.
Eine halbe Stunde später liege ich im Schlafsack in meiner kleinen, gemütlichen Hütte und freue mich mit jeder Muskelfaser meines Körpers auf den nächsten Tag, gerne bereit, mich wieder modern versklaven zu lassen. Da fällt es mir ein. Das Gefühl heute in den Dünen. Es heißt Freiheit.
Wwoofing mag so manchem wie Sklaverei vorkommen, aber welcher Sklave besitzt schon das Privileg, sein Schicksal jeden Tag frei wählen zu können? Ich habe keinen Arbeitsvertrag unterschrieben, ich kann jederzeit meine wenigen Habseligkeiten zusammenpacken und gehen. Wann immer ich will, wohin ich will. In meinen Hosentaschen wird nicht mehr Geld sein, als vor meiner Ankunft, aber ich habe hier mehr bekommen und gelernt, als in all meinen Jobs zuvor.
Mir fallen zufrieden die Augen zu und ich bin bereit, mich dem Tiefschlaf zu ergeben. Vorher stecke ich mir aber Ohropax in die Ohren, denn die Frösche quaken wieder im dritten Gang.

WWOOF“ steht für  „Willing Workers On Organic Farms“

Die 1971 in England gegründete Organisation bietet weltweit jedem, der an unterschiedlichen, nachhaltigen Lebensweisen auf ökologischen Farmen interessiert ist, eine mindestens einjährige Mitgliedschaft. Für 55,00 A$ (australische Dollar) erhält jeder, gleich welchen Alters oder Geschlechts, ein über 300 Seiten starkes Buch mit Mitgliedsnummer. Neben einem Versicherungsschutz bietet die „Bibel“, wie das Wwoof-Buch von den Freiwilligen scherzhaft genannt wird, für jeden Bundesstaat hunderte Adressen von Farmern, die gegen vier bis sieben Stunden Arbeit täglich für ein Dach über dem Kopf und einen vollen Magen sorgen. 
Je nach Größe und Art der Farm variieren sowohl Arbeitszeiten als auch Tätigkeiten, was der Wwoofing-Kultur häufig den Ruf moderner Sklaverei einbringt. 

 Weitere Infos unter:   Wwoofing

© Fotos: Sabrina Krebs

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