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Meine Reise mit dem Ghan beginnt an einem typisch-schwülen Morgen im Norden Australiens mitten in Darwin. Begleitet vom Ruf des Kakadus erreiche ich mit den ersten Sonnenstrahlen den Bahnhof, der, umringt von grünen Feldern, etwas außerhalb des Stadtzentrums liegt.
Am Bahnhof Mit Kribbeln im Bauch verabschiede ich mich von meiner guten Freundin, die mich zum Bahnhof gefahren hat und fiebere dem Beginn meiner Zugreise entgegen. In Gedanken versunken denke ich über die unglaubliche Weite dieses Landes nach. Wo sonst kann man schon fast 3000 km mit dem Zug zurücklegen, ohne eine einzige Landesgrenze zu überfahren? Wo sonst kann man mehrere Klimazonen in 54 Stunden durchqueren? Vom tropischen Norden mit seinen kreischenden Kakadus und seinen leuchtend grünen Farben, durch das raue Outback mit hüpfenden Kängurus und rotem Sand bis hin an die milde Südküste, an der man an malerischen Stränden einen kühlen Drink genießen kann, während einem eine frische Brise durchs Haar weht und man die Surfer dabei beobachtet, wie sie ihr ganzes Können zeigen.
Plötzlich werde ich aus meinen Träumen gerissen. Ein lautes "choo-choo" und das einsetzende Rattern von Rädern auf Schienen kündigt die Einfahrt des Ghans an. Mit Gänsehaut luge ich neugierig um die Ecke, wo mir ein riesiger, roter Stahlkoloss entgegen fährt. Da ist er also – der Ghan! Die knallrote Lok, erinnert mich etwas an den Hogwarts-Express aus den Harry Potter-Büchern. Ich freue mich wie ein kleiner Junge und bin total aufgeregt, den Zug endlich in Bewegung zu sehen. Sichtlich beeindruckt stehe ich vor den liebevoll verzierten Waggons des Zuges und kann es kaum mehr erwarten, diesen Stahlkoloss auch von innen bewundern zu können. Aber zuerst einmal muss ich mein Gepäck aufgeben. Wie am Flughafen werden die Rucksäcke gewogen und auf die Frachtwaggons geladen. Alle Gepäckstücke dürfen nicht mehr als 25 kg wiegen und so musste ich noch etwas umpacken, damit mein Gepäck gut verstaut werden kann.
Die Fahrt beginnt Nun wird die Aufregung immer größer. In wenigen Minuten geht es endlich los. Vor meinem geistigen Auge lasse ich die vergangenen Monate in Australien wie in einem Film Revue passieren. So viele Abenteuer liegen bereits hinter mir und ein weiteres Highlight wird in Kürze folgen. Noch in Gedanken versunken höre ich die Lautsprecherdurchsage, auf die ich schon gewartet habe: "Meine Damen und Herren! Der Zug steht nun zum Boarding bereit. Der Waggon mit dem Buchstaben R befindet sich im vorderen Bereich des Bahnsteigs...” Mehr will und muss ich erst einmal auch nicht wissen. Jetzt kann mich nichts mehr zurückhalten. Bewaffnet mit meinem Ausrail-Pass und dem Handgepäck eile ich zur "Red Seater"-Klasse. Hier nimmt mich das freundliche Boardpersonal in Empfang, überprüft alle Daten und wünscht mir eine angenehme Reise. Gegen einen Aufpreis hätte es auch ein Platz im Schlafwagen sein können, mir genügt jedoch der Schlafsitz.
Mit dem Betreten meiner Klasse sehe ich nun als einer der Ersten den Fahrkomfort. Ich lasse mich direkt in meinen gemütlichen roten Sessel fallen und teste die Liegeposition aus. "Man, das ist ja noch viel besser als im Flugzeug!” Den Sitz bringe ich in eine Liegeposition und stelle zu meinem Erstaunen fest, dass mein Sitznachbar keine Einschränkungen für meine Bequemlichkeit hinnehmen muss. Beinfreiheit gibt es selbst für "langbeinige" Reisende und sogar ein eigener kleiner Tisch steht mir zur Verfügung. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich so viel in der preiswertesten Klasse nicht erwartet habe. "That's awesome!" tönen die Worte eines australischen Mitfahrers. Ja, das war es! Hier kann man sich wohlfühlen und die Seele baumeln lassen. "Hoffentlich geht es bald los", denke ich noch, als schon die Stimme des Zugmanagers durch die Lautsprecher dröhnt. Freundlich werden wir begrüßt und über Einrichtungen und Sicherheitsbestimmungen des Ghans aufgeklärt. "...und bitte vergessen sie nicht, nach dem Betreten der Toilette diese mit Hilfe des roten Knopfes zu verschließen. Das könnte sonst eine unangenehme Überraschung geben. Dusche und Handtücher stehen zur Verfügung, sicher eine nette Erfrischung." Apropos "Erfrischung": ein etwas tankstellenartiger Geruch steigt mir in die Nase und im gleichen Moment bemerke ich, dass sich der Zug in Bewegung gesetzt hat und wir bereits den Bahnhof hinter uns gelassen haben. Am Fenster ziehen die Häuser und der Hafen Darwins langsam an uns vorbei. Bye, bye Regenzeit! Welcome Red Center!
Auf Entdeckungstour im Zug Die Aufregung hat mir sprichwörtlich die Spucke geraubt und so begebe ich mich erst einmal auf die Suche nach einem Wasserspender. Irgendjemand hat doch auch etwas von "Matildas Café" erzählt. Den Wasserspender finde ich hinter der nächsten Tür und genieße ein kaltes Glas. Der herbeiströmende Kaffeeduft verrät mir, dass ich nur etwa eine Tür vom Zugcafé entfernt bin. Neben heißen und kalten Getränken gibt es hier auch Snacks, Kuchen, Souvenirs und zu Essenszeiten auch ganze Gerichte. Die Preise sind erschwinglich und so füllt sich das Café immer mehr mit Gästen, aromatischen Düften und angeregten Gesprächen.
Satt und zufrieden packt mich nun die Neugier. Jetzt will ich auch einen Blick in die anderen Klassen werfen. Leider wird mein Enthusiasmus hier schnell gebremst. Ein Schild an der Verbindungstür weißt darauf hin, dass man nur mit einem entsprechenden Ticket weitergehen darf. Also suche ich einen Schaffner und frage ihn, ob er mich einen Blick in die anderen Klassen werfen lässt. Leider hatte ich auch hier kein Glück. Etwas gestresst verneint der Schaffner meine Bitte. Aber ich habe herausbekommen, dass es im Ghan 3 verschiedene Klassen gibt: den "Red Service" – für den schmalen Geldbeutel; den "Gold Service" – für die, die etwas mehr Geld ausgeben möchten - und den "Platinum Service" – die 5- Sterne Luxusvariante.
Wer sich wie ich für einen „Red Service Seat“ entscheidet, genießt die Reise wie oben beschrieben in einem bequemen Sessel, der sich für die Nachtruhe in eine Liege verwandeln lässt. Zum Fahrtkomfort steht zudem ein kleiner Klapptisch zur Verfügung. Das “Matilda Café“ mit einem Angebot an Snacks, Getränken und warmen Mahlzeiten gehört außerdem zu dieser Zugklasse. Die Wasch- und Toilettenräume befinden sich am Ende des Zugabteils.
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