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The Ghan

 

 
Bahnfahren in Australien

“The Ghan”
Eine Fahrt quer durch den roten Kontinent
- eine Reportage von Jonas Breuer -

 

 
Meine Reise mit dem Ghan beginnt an einem typisch-schwülen Morgen im Norden Australiens mitten in Darwin. Begleitet vom Ruf des Kakadus erreiche ich mit den ersten Sonnenstrahlen den Bahnhof, der, umringt von grünen Feldern, etwas außerhalb des Stadtzentrums liegt.

The GhanAm Bahnhof
Mit Kribbeln im Bauch verabschiede ich mich von meiner guten Freundin, die mich zum Bahnhof gefahren hat und fiebere dem Beginn meiner Zugreise entgegen. In Gedanken versunken denke ich über die unglaubliche Weite dieses Landes nach. Wo sonst kann man schon fast 3000 km mit dem Zug zurücklegen, ohne eine einzige Landesgrenze zu überfahren? Wo sonst kann man mehrere Klimazonen in 54 Stunden durchqueren? Vom tropischen Norden mit seinen kreischenden Kakadus und seinen leuchtend grünen Farben, durch das raue Outback mit hüpfenden Kängurus und rotem Sand bis hin an die milde Südküste, an der man an malerischen Stränden einen kühlen Drink genießen kann, während einem eine frische Brise durchs Haar weht und man die Surfer dabei beobachtet, wie sie ihr ganzes Können zeigen.

Plötzlich werde ich aus meinen Träumen gerissen. Ein lautes "choo-choo" und das einsetzende Rattern von Rädern auf Schienen kündigt die Einfahrt des Ghans an. Mit Gänsehaut luge ich neugierig um die Ecke, wo mir ein riesiger, roter Stahlkoloss entgegen fährt. Da ist er also – der Ghan!
Die knallrote Lok, erinnert mich etwas an den Hogwarts-Express aus den Harry Potter-Büchern. Ich freue mich wie ein kleiner Junge und bin total aufgeregt, den Zug endlich in Bewegung zu sehen. Sichtlich beeindruckt stehe ich vor den liebevoll verzierten Waggons des Zuges und kann es kaum mehr erwarten, diesen Stahlkoloss auch von innen bewundern zu können.
Aber zuerst einmal muss ich mein Gepäck aufgeben. Wie am Flughafen werden die Rucksäcke gewogen und auf die Frachtwaggons geladen. Alle Gepäckstücke dürfen nicht mehr als 25 kg wiegen und so musste ich noch etwas umpacken, damit mein Gepäck gut verstaut werden kann.

Die Fahrt beginnt
Nun wird die Aufregung immer größer. In wenigen Minuten geht es endlich los. Vor meinem geistigen Auge lasse ich die vergangenen Monate in Australien wie in einem Film Revue passieren. So viele Abenteuer liegen bereits hinter mir und ein weiteres Highlight wird in Kürze folgen.
Noch in Gedanken versunken höre ich die Lautsprecherdurchsage, auf die ich schon gewartet habe: "Meine Damen und Herren! Der Zug steht nun zum Boarding bereit. Der Waggon mit dem Buchstaben R befindet sich im vorderen Bereich des Bahnsteigs...”
Mehr will und muss ich erst einmal auch nicht wissen. Jetzt kann mich nichts mehr zurückhalten. Bewaffnet mit meinem Ausrail-Pass und dem Handgepäck eile ich zur "Red Seater"-Klasse. Hier nimmt mich das freundliche Boardpersonal in Empfang, überprüft alle Daten und wünscht mir eine angenehme Reise. Gegen einen Aufpreis hätte es auch ein Platz im Schlafwagen sein können, mir genügt jedoch der Schlafsitz.

The Ghan - SitzabteilMit dem Betreten meiner Klasse sehe ich nun als einer der Ersten den Fahrkomfort. Ich lasse mich direkt in meinen gemütlichen roten Sessel fallen und teste die Liegeposition aus. "Man, das ist ja noch viel besser als im Flugzeug!” Den Sitz bringe ich in eine Liegeposition und stelle zu meinem Erstaunen fest, dass mein Sitznachbar keine Einschränkungen für meine Bequemlichkeit hinnehmen muss. Beinfreiheit gibt es selbst für "langbeinige" Reisende und sogar ein eigener kleiner Tisch steht mir zur Verfügung. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich so viel in der preiswertesten Klasse nicht erwartet habe. "That's awesome!" tönen die Worte eines australischen Mitfahrers. Ja, das war es! Hier kann man sich wohlfühlen und die Seele baumeln lassen.
"Hoffentlich geht es bald los", denke ich noch, als schon die Stimme des Zugmanagers durch die Lautsprecher dröhnt. Freundlich werden wir begrüßt und über Einrichtungen und Sicherheitsbestimmungen des Ghans aufgeklärt. "...und bitte vergessen sie nicht, nach dem Betreten der Toilette diese mit Hilfe des roten Knopfes zu verschließen. Das könnte sonst eine unangenehme Überraschung geben. Dusche und Handtücher stehen zur Verfügung, sicher eine nette Erfrischung."
Apropos "Erfrischung": ein etwas tankstellenartiger Geruch steigt mir in die Nase und im gleichen Moment bemerke ich, dass sich der Zug in Bewegung gesetzt hat und wir bereits den Bahnhof hinter uns gelassen haben. Am Fenster ziehen die Häuser und der Hafen Darwins langsam an uns vorbei. Bye, bye Regenzeit! Welcome Red Center!

The Ghan - Matildas CafeAuf Entdeckungstour im Zug
Die Aufregung hat mir sprichwörtlich die Spucke geraubt und so begebe ich mich erst einmal auf die Suche nach einem Wasserspender. Irgendjemand hat doch auch etwas von "Matildas Café" erzählt. Den Wasserspender finde ich hinter der nächsten Tür und genieße ein kaltes Glas. Der herbeiströmende Kaffeeduft verrät mir, dass ich nur etwa eine Tür vom Zugcafé entfernt bin. Neben heißen und kalten Getränken gibt es hier auch Snacks, Kuchen, Souvenirs und zu Essenszeiten auch ganze Gerichte. Die Preise sind erschwinglich und so füllt sich das Café immer mehr mit Gästen, aromatischen Düften und angeregten Gesprächen.

Satt und zufrieden packt mich nun die Neugier. Jetzt will ich auch einen Blick in die anderen Klassen werfen. Leider wird mein Enthusiasmus hier schnell gebremst. Ein Schild an der Verbindungstür weißt darauf hin, dass man nur mit einem entsprechenden Ticket weitergehen darf. Also suche ich einen Schaffner und frage ihn, ob er mich einen Blick in die anderen Klassen werfen lässt. Leider hatte ich auch hier kein Glück. Etwas gestresst verneint der Schaffner meine Bitte.
Aber ich habe herausbekommen, dass es im Ghan 3 verschiedene Klassen gibt: den "Red Service" – für den schmalen Geldbeutel; den "Gold Service" – für die, die etwas mehr Geld ausgeben möchten - und den "Platinum Service" – die 5- Sterne Luxusvariante.

Wer sich wie ich für einen „Red Service Seat“ entscheidet, genießt die Reise wie oben beschrieben in einem bequemen Sessel, der sich für die Nachtruhe in eine Liege verwandeln lässt. Zum Fahrtkomfort steht zudem ein kleiner Klapptisch zur Verfügung. Das “Matilda Café“ mit einem Angebot an Snacks, Getränken und warmen Mahlzeiten gehört außerdem zu dieser Zugklasse. Die Wasch- und Toilettenräume befinden sich am Ende des Zugabteils.
 

 

The Ghan - Dusche mit Toilette

The Ghan - Matildas Cafe

The Ghan - Matildas Cafe

 

 

 

Die "Gold Service"-Klasse des Ghans hält zwei verschiedene Zugabteile für Traveller bereit. Man kann bei dieser Klasse zwischen der "Gold Service Sleeper Cabin” und der "Gold Service Superior Cabin” wählen. Diese beiden Abteile unter- scheiden sich unter anderem darin, dass es in der "Superior Cabin” ein großes Doppelbett und eine Minibar gibt.

Der "Platinum Service” wartet mit 25 luxuriös ausgestatteten Abteilen auf, in denen es neben Dusche und WC sogar einen Safe und einen Schreibtisch gibt.
Außerdem verfügt der Ghan auch über so genannte "Private Carriages", also ein gesamter Bahnwagen für größere Gruppen von 6 bis 10 Personen. Auch hier hat man wieder die Qual der Wahl zwischen "The Chairman’s Carriage", "The Prince of Wales Carriage” und dem "Sir John Forrest Carriage”. Diese Ende 19./ Anfang 20. Jahrhundert gebauten Waggons versprühen noch heute den Charme von längst vergangenen Tagen.
 

 

The Ghan - Gold Service Doppelkabine

The Ghan - Queen Adelaide Restaurant

 

 
Reisende der "Gold Service”- und "Platinum Service"-Klassen haben außerdem freien Eintritt zum "Queen Adelaide Restaurant Car" und der "Outback Explorer Lounge”. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man sich beides unbedingt einmal anschauen. Der Speisewagen ist ganz im Art-deco-Stil gehalten und beim Besuch der Lounge hat man das Gefühl, man betritt einen 50er Jahre Club.
(weitere Infos zum Ghan und Buchungsmöglichkeiten -> Bahnfahren -> The Ghan)

Wieder zurück von meiner Stippvisite lasse ich mich in meinen Sessel fallen, lehne mich entspannt zurück und sauge den Anblick der tropischen Landschaft auf, die an meinem Fenster vorbeizieht. Schon in 24 Stunden werde ich in Alice Springs aussteigen und den Uluru besichtigen.

Nach und nach ändert sich das Landschaftsbild und die raue Seite Australiens kommt langsam zum Vorschein. Häuser und Bäume verschwinden und werden von Sträuchern in der roten Wüste ersetzt. Hier scheint die Zivilisation zu Ende zu sein, denke ich, als plötzlich ein Känguru, aufgescheucht vom Rattern des Zuges, davon hüpft.
 

 

Nitmiluk National ParkDer erste Zwischenstopp
Kurz vor unserem ersten Zwischenstopp in Katherine weißt eine freundliche Frauenstimme auf die vielen, verschiedenen Tour-Möglichkeiten, auch "Whistle Stops" genannt, hin. Zeitgleich blättere ich das "Plattform Magazin" durch und die vielen bunten Bilder der Touren zeigen: hier ist wirklich für jeden etwas dabei: Ob luxuriöse Schiffsfahrten mit Gänge-Menü oder eine Kanutour durch die Schluchten des Nitmiluk-Nationalparks. Für Stadtliebhaber gibt es aber auch die Möglichkeit, sich nach Katherine entführen zu lassen, um dort in die künstlerischen Tiefen der unzähligen Galerien einzutauchen.
Der Nitmiluk-Nationalpark ist mit seinen tollen Wanderwegen, atemberaubenden Schluchten, kühlen Wasserbecken, die zum Schwimmen einladen, und der herrlichen Fauna und Flora wärmstens zu empfehlen.
Für Reisende im „Gold Service“ und „Platinum Service“ sind die angebotenen Touren sogar bereits im Bahnticket enthalten!

Die Nacht im Zug
Die begeisterten Erfahrungsberichte nach dem Stopp bestätigen meine Erlebnisse nochmals und während die Gespräche über Krokodile, Vögel, tropische Pflanzen und wunderschöne Aussichtspunkte nach und nach verebben, geht Mitten im Nirgendwo langsam der Mond auf und es wird allmählich dunkel. Zum Glück habe ich an Proviant gedacht und breite Sandwichs, Pfannkuchen, Schokolade und Kekse vor mir aus. Gemeinsam mit dem halben Abteil schlage ich mir den Bauch für die Nacht voll und beobachte die vielen nachtaktiven Tiere entlang der Schienen.
Müde von den vielen neuen Eindrücken mache ich mich für die Nachtruhe bereit, klappe den Sitz zurück und verkrieche mich im Schlafsack, nachdem gegen 22 Uhr das Licht in ein angenehmes Schummerlicht gedimmt wurde.

 

 

 

Der nächste Morgen
Eine musikunterlegte Lautsprecherdurchsage läutet um 8 Uhr das Ende der Nacht ein und reißt mich aus meinen Träumen. Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln meine Nase und der Blick nach draußen enthüllt eine karge Steppe mitten im Herzen Australiens, kurz vor Alice Springs. Mit der Zeit kommt auch wieder Leben in unseren Wagon. Die Ersten begeben sich zum Frühstück ins Café oder packen die mitgebrachten Leckereien aus.
Während ich in Ruhe frühstücke, sind andere schon mit der Körperpflege beschäftigt oder buchen aufgeregt die angebotenen Touren, "Whistle-Stopps", für Alice Springs. Das breite Angebot machte die Entscheidung nicht einfach. Ich habe einen einwöchigen Stopp geplant, indem ich mit einem Camper Van zum Uluru und zurück fahren will. Diesem Trip fiebere ich nun erwartungsvoll entgegen, während langsam wieder die Zivilisation sichtbar wird.

Ankunft in Alice Springs
Mit einem letzten "choo-choo" rollen wir im Bahnhof ein und Hektik macht sich im Zug breit. Jeder sucht sein Gepäck zusammen und will möglichst schnell hinaus. Eine frische Brise schlägt mir auf dem Weg zum Ausgang entgegen. Kühle 20°C!!! Nach den tropischen Temperaturen in Darwin mit Gewitter und schwülen 38°C, ist diese Abkühlung eine willkommene Abwechslung. Tief sauge ich die frische Luft in mich ein und spüre, wie neuer Tatendrang in mir aufsteigt.
Wenig später steht das Gepäck auch schon zur Abholung bereit und ich mache mich auf zum Abenteuer Uluru.

Genau eine Woche später setze ich meine Reise mit dem Ghan von Alice Springs aus weiter fort.
 

 

Von Alice Springs nach Adelaide
Nach vielen, tollen Erlebnissen und den Bildern des roten Felsens im Kopf, ist es wieder so weit. Als "alter Hase" kenne ich den Ablauf jetzt schon und während mir die Mittagshitze auf die Haut brennt, warte ich erneut auf das Signal zum Start. Beim Einsteigen ist alles sofort wieder vertraut und das Gefühl des Wohlfühlens macht sich erneut breit.
Nachdem ich in den letzten Tagen zu etlichen Sonnenaufgängen früh morgens noch halb verschlafen aufgestanden bin, freue ich mich auf Entspannung und Erholung pur. Noch einmal die Seele baumeln lassen und die vielen Eindrücke einer Reise in sich aufsaugen und verarbeiten.

An meinem Fenster zieht wieder die endlose Landschaft des australischen Outbacks vorbei, während ich noch an den riesigen Felsen und die Geschichten der Aborigines denke, die auf so unglaubliche Weise in dieser schroffen, unmenschlichen Natur überleben lernten.
Auf einmal drosselt der Zug sein Tempo. Damit wird den Reisenden die Möglichkeit gegeben, einige Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke zu bewundern. So fahren wir zum Beispiel an der Skulptur des "Iron Man" vorbei, die zum Gedenken an die einemillionste Betonschwelle auf dieser Strecke von Eisenbahnern ´errichtet wurde. Auch die Überfahrt der Grenze zwischen dem Northern Territory und South Australia ist ein Ereignis. Schnell ein paar Fotos gemacht, denn so etwas darf in der Fotosammlung natürlich nicht fehlen und so dokumentiere ich fleißig die Sehenswürdigkeiten aus dem Fenster.

The Ghan - SitzabteilEs folgt eine weitere Nacht im Ghan und mit den vorbeirauschenden Kilometern näherte ich mich immer mehr meinem Ziel Adelaide und damit leider auch dem Ende einer Fahrt der ganz besonderen Art.
Mit dem Ghan habe ich nicht nur einen kompletten Kontinent durchquert, sondern auch mehrere Klimazonen durchfahren, die Weite des Landes erfahren, neue Freunde gefunden und nicht zuletzt etwas Einzigartiges erlebt.

Eine ganz besondere Erfahrung
Begeistert erzähle ich noch abends einem Freund bei einem kühlen Bierchen, dass ich es jeder Zeit wieder machen würde und diskutiere über den besonderen Reiz einer Zugfahrt, auch wenn es sicher schnellere Wege gibt. Doch warum muss es heutzutage immer schnell gehen? Ist es nicht gerade auf Reisen ein tolles Erlebnis Zeit zu haben, um ein Land richtig für sich entdecken zu können? Diese Zeit hat man im Ghan auf jeden Fall!
 

 

 

 

© Fotos: Jonas Breuer; Tourism NT