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Neuseeland Südinsel
 
Whale Watching in Kaikoura
- eine Reportage von Alexandra Schmidt -
 

Kaikoura, das kleine Dörfchen an der Ostküste der Südinsel, ist vor allem wegen einer Sache bekannt – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tauchen dort tagtäglich mehrere Wale auf. Und so hat sich dort nach und nach ein richtiger „Tourismusindustriezweig“ etabliert.
Wer nach Kaikoura kommt, wird auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an einer Whale-watch-Tour teilnehmen, evtl. ein paar Souvenirs kaufen - und am nächsten Tag weiterfahren – ich habe es aufgrund von Zeitmangel genauso gemacht, allerdings habe ich mich in diesem kleinen Kaff sehr wohl gefühlt und hätte auch gerne die Umgebung genauer erkundet.

Zumeist handelt es sich bei den zu sehenden Walen um die großen Pottwale (engl. sperm whale), oft nur einer, manchmal auch zwei, drei Stück auf einmal (auf der Homepage des Veranstalters kann nachgelesen werden wie viele Wale in den letzten Tagen gesichtet wurden) – und wo Wale sind, sind nicht selten auch eine ganze Menge Delphine, aber der Reihe nach.

SeagullAm Pier standen schon einige bekannte Gesichter, so gut wie alle, die mit mir zusammen nach Kaikoura gekommen sind, haben sich schon vorweg für eine der Touren angemeldet, um auch endlich mal einen Wal in freier Wildbahn zu sehen, zu denen ich mich dazu gesellte.
Kurze Zeit später durften wir auf das moderne Boot (es werden ausschließlich Katamarane benützt), das sich ziemlich schnell mit anderen Touristen füllte – bis es endlich losging dauerte es dann aber doch noch eine Weile. Der Großteil, besonders die etwas ältere Generation reiselustiger, außerordentlich interessierter Amerikaner, verzog sich ziemlich schnell ins Innere des Boots, da man durch das Spritzwasser (der Wellengang war recht hoch) ein wenig nasse Füße bekommen hat, was uns aber nicht abgehalten hat, weiter an der Brüstung auszuharren.

Nicht viel später wurde es uns gedankt – ein ganzes „Rudel“ Delphine schwamm direkt vor unseren Augen neben dem Boot her, hüpfte auf dem Wasser, tänzelte und verschwand wieder in den Tiefen des Ozeans, ganz unbemerkt von den meisten Mitreisenden. Tja.. Delphine waren da, eine ganze Menge Seevögel (Kormorane, Möwen, sogar ein Albatros) – aber immer kein Wal, nicht mal in Sicht- bzw. Hörweite, von Innen wurden schon Stimmen à la „Geld zurück“ laut (warum schreien eigentlich die, die eh genügend davon haben, am lautesten?) – stimmt, außer den Tischen drinnen haben sie ja auch noch nichts gesehen.

KaikouraEine halbe Stunde später: Endlich, ein Wal in Sicht. Auf einmal herrschte draußen Gedränge und Geschubse, jeder wollte sich einen möglichst günstigen Platz sichern, um etwas zu sehen. Aufforderungen des Kapitäns, dass sich die Leute gleichmäßig um das Boot verteilen sollen und dass jeder etwas sehen wird, wurden geflissentlich ignoriert.

Da war er nun, zwar einige Meter von uns entfernt, aber durch seine immense Größe doch ganz nah. Für die typische Spritzfontaine waren wir zu spät dran, aber das Abtauchen würden wir wohl miterleben, aber er schien von der gemütlichen Sorte zu sein und schwamm erst mal ein Weilchen um das Boot herum bis er, einige zehn Fotos später (es könnte ja schließlich gleich soweit sein – und den Moment will kein Fotograph verpassen ;) ), seine riesige Schwanzflosse in die Luft streckte und abtauchte.

Es sollte der Erste und zugleich der Letzte dieser Tour sein, da die Zeit schon sehr weit fortgeschritten war – nach uns wollten ja auch noch andere rausfahren und den Wal erleben.
Auf dem Rückweg genoss ich nur noch die Aussicht auf die verschneiten Gipfel der Südalpen, hielt hin- und wieder Ausschau nach Delphinen, doch es waren keine mehr zu entdecken.

Allgemeine Infos:
Gerade in der Hochsaison ist der Andrang recht groß, vorbuchen ist, wenn man nicht mehrere Tage in Kaikoura bleiben bzw. festsitzen möchte, durchaus ratsam. Die Touren werden drei mal täglich angeboten, in der Hauptsaison vier mal.
Es kann passieren, dass eine Tour abgesagt / verschoben wird, wenn es die Wetterbedingungen erfordern. Wird kein Wal während der Tour gesehen gibt es 80% des Preises zurück, was ich mehr als fair finde.

Dauer: ca. 3 Stunden
Kosten: 125 NZD

Was mitgenommen werden sollte:
Sonnenbrille, Kamera und genügend Filme (es kann ewig dauern, bis der Wal komplett auftaucht – und jedes Mal denkt man, es ist soweit und verknipst fast einen ganzen Film), Getränke (an Bord wird nichts verkauft), evtl. Fernglas (wenn man es zufälligerweise mit nach NZ genommen haben sollte).

Weitere Aktivitäten in Kaikoura:
Unbedingt einen Strandspaziergang machen. Mit etwas Glück liegen Seelöwen auf den Steinen und lassen sich die Sonne auf den Pelz brennen – und selbst wenn nicht: Das Panorama ist atemberaubend schön. Die teilweise schneebedeckten Gipfel der Alpen, davor das Meer, gesäumt von unzähligen verschiedenen Blumen und Pflanzen.
 

Homepage des Veranstalters:
http://www.whalewatch.co.nz
 

Fazit:
Wer träumt nicht davon, einmal Wale in freier Wildbahn zu beobachten? Kaikoura bietet dafür perfekte Voraussetzungen und durch die „Tour“ ist es so einfach (und zeitsparend) wie selten, sie auch zu Gesicht zu bekommen.
Sieht man das Ganze allerdings zufällig, ungeplant und vor allem unorganisiert, ist das noch mal ein ganz anderes Erlebnis, dass jedes Whale-Watch-Erlebnis gewissermaßen relativiert - zumal die Praxis „Whale Watching“ hinsichtlich dem Wohl der Meeressäuger nicht unumstritten ist (wobei Neuseeland hierbei als Musterbeispiel erwähnt werden muss[1].

Quelle:
[1] Greenpeace

© Foto oben: Chris McLennan; weitere Fotos & Text Alexandra Schmidt