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Wie sicher ist das Fliegen?
- In der Luft bist du sicherer als auf deutschen Straßen -
Ein Kommentar von Anja Schulze

 
Es ist furchtbar, wenn ein Flugzeug abstürzt und dabei etliche Menschen ums Leben kommen. Leider ist es auch ein gefundenes Fressen für die Medien. Im Verlauf wird fast jeden Tag berichtet. Immer wieder wird erwähnt, dass die Unfallursache womöglich nie geklärt werden kann (wie zum Beispiel beim aktuellsten Fall – dem Absturz der Air France Maschine über dem Atlantik). Und immer wieder stellen alle die Frage: Wer ist dafür verantwortlich? Wer ist Schuld?

Auch die aktuelle Ausgabe des Stern (Nr. 26) beschäftigt sich damit im Titelthema und stellt die provokante Frage „Wie sicher ist Fliegen?“. Trotz des tragischen Vorfalls kommt er – Gott sei Dank – auf eine positive Resonanz und belegt diese mit aussagekräftigen Zahlen und Vergleichen:
Von den 2,2 Milliarden Menschen, die im Jahr 2008 weltweit in Verkehrsflugzeuge stiegen, kamen 598 ums Leben, inklusive Besatzungsmitglieder. Das ist ein Toter auf 3,5 Millionen Reisenden.
Laut Angaben des Statischen Bundesamtes starben allein in Deutschland im vergangenen Jahr 54 Personen je eine Million Einwohner bei Verkehrsunfällen auf den Straßen. Der Himmels scheint demnach ein sichererer Ort zum Reisen, als deutsche Straßen.

Ein Vergleich aus dem Stern: „Heute übertrifft die Sicherheitskultur der Luftfahrtgesellschaften diejenige vergleichbarer Risikobranchen um ein Vielfaches: Wären Verkehrsflugzeuge Space Shuttles, gäbe es 68 Totalverluste – jeden Tag. Wäre Fliegen so sicher wie ein großer chirurgischer Eingriff, dann fielen täglich 17 Jets vom Himmel. Und wäre der Himmel eine Intensivstation, so zerschellten zwei Airliner pro Tag.“

Ein anderer Aspekt ist jedoch, dass „Katastrophen der Luftfahrt“ länger im Gedächtnis der Menschen bleiben – sie werden ja auch breitgetreten. Über die täglichen Flüge, die ohne Komplikationen von A nach B kommen, hören wir allerdings kaum etwas. Wahrscheinlich nehmen wir es mittlerweile für gegeben und normal hin. Dass dafür jedoch Höchstleistungen von Mensch und Maschine abverlangt werden, wissen viele kaum noch zu schätzen. Dabei kann diese Sicherheit nur gewährleistet werden, weil Mensch und Maschine „seit Jahrzehnten ein einziges, hundertfach verflochtenes System“ bilden, welches immer wieder noch besser und somit noch sicherer gemacht wurde.

Kollisionswarnsysteme, die sekundenschnell Ausweichbefehle an den Piloten geben, Satellitennavigation und Warnsysteme, die bei schwierigen Landeanflügen helfen und – einer der ersten Schritte – die Vereinheitlichung des Funkverkehrs machen es möglich, heutzutage sicher durch die Lüfte zu kommen. Der Risiko-Experte Sidney Dekker äußerte sich gegenüber dem Stern dazu wie folgt: „Wir müssen viel stärker darauf schauen, wie extrem gute Leistungen zustande kommen, woraus Piloten überdurch- schnittliche Fähigkeiten entwickeln und warum sie in der Krise bestehen.“
Und diese Leistungen gehören gewürdigt! Piloten sind Menschen und folgen in Notsituationen auch ihren Instinkten und ihrem Herzen. Hätte Chesley Sullenberger dies am 15. Januar 2009 nicht getan und einen Airbus 320 nicht auf dem Hudson River notgelandet – wer weiß, wie es ausgegangen wäre.

Jeder Reisende kann etwas dazu beitragen, um die Sicherheit auch in Zukunft gewährleisten zu können – nämlich indem man bei einer sicheren Airline bucht. In besagter Stern-Ausgabe ist auch ein aktuelles Sicherheits-Ranking internationaler Fluglinien abgedruckt. Diese wird von Qantas angeführt und auch viele folgende Plätze haben Passagiere seit 1973 unfallfrei durch die Lüfte gebracht. Aber die Liste, die vom Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre veröffentlicht wurde, sollte kritisch hinterfragt werden.

Das jährlich veröffentlichte Safety Ranking erfasst bspw. nur kommerzielle Passagierflüge und Unfälle am Boden bleiben gänzlich unberücksichtigt. Des Weiteren werden nur Fälle ab 1973 aufgelistet und es gibt keine Angaben zum aktuellen Sicherheitsstandard der jeweiligen Fluglinie. Neu gegründete Fluggesellschaften bekommen automatisch einen Safety Index von 0,00 (der Safety Index ermöglicht den Vergleich, indem Todesfälle und Flugzeugtotalverluste zu den geflogenen Kilometern ins Verhältnis gesetzt werden). Fluggesellschaften, die bspw. ein Flugzeug nach einem Unfall verschrottet haben, haben somit einen schlechteren Index, auch wenn es keine Toten zu beklagen gab.

Wer also trotz des letzten Flugunglücks Positives übers Fliegen lesen möchte, sollte sich den Stern- Titelartikel ruhig durchlesen. Den gibt’s aber nur in der Printausgabe (Nr. 26).

Zitate: Der Stern Print-Ausgabe 26/2009

 

© Text: Anja Schulze
© Foto: Etihad Airways